einatmen. ausatmen.

Dieser Beitrag begann als Kommentar auf Mairlynds Blogbeitrag “Dicke Luft” und endet in einem eigenen Blogbeitrag, weil das Thema bei uns auch gerade sehr aktuell ist. Zum besseren Verständnis sollten Sie daher zuerst Mairlynds Beitrag lesen.

Der Quietschbeu ist zu seinem Papa auch nicht so ruppig, wie zu mir. Klar, wir verbringen viel mehr Zeit miteinander, er testet meine Grenzen aus, ich seine. Es ist das Alter. Die Trotzphase!

Heute Morgen heulte und schrie er, noch bevor wir das Haus verlassen hatten, bereits Sodom und Gomorra, weil ich ihm keinen Kakao geben wollte. Dann schrie er, weil ich ihm auch keine Milch gab obwohl er ganz klar und deutlich gesagt hatte: “KAINE Mich habe will!” Ach, eigentlich schrie er die ganze Zeit.

Gestern Abend ging er ohne Essen ins Bett, weil er nichts essen wollte. Egal was ich ihm anbot, er schrie und tobte und schob den Teller schwungvoll von sich. Nicht mal heißgeliebtes Wurstbrot wollte in das Kind rein. Also habe ich nachgegeben und ihn eben ohne Essen ins Bett gesteckt. Er schlief gut, weinte des Nachts nur einmal nach mir, weil sein Nuckel aus dem Bett gefallen war. Er hat es überlebt.

Heute Morgen spielte er mit dem Löwenmäulchen im gemeinsamen Spielzimmer. Sie warfen sich ihre Boos zu. Irgendwann wurde der Quietschbeu übermütig und „haute“ dem Löwenmäulchen mit der Boo auf den Kopf. Also, mehr so ein Schlagen, wie mit einem Handtuch, Sie wissen schon. Die Boo ist ja wie ein Lappen. Ich sagte ihm sofort, er solle das lassen. Dass täte dem kleinen Bruder sehr weh und die Boo wolle das auch gar nicht! Da das Löwenmäulchen aber keine Anstalten machte zu weinen, glaube er mir meine Ausführungen in Sachen Schmerzen wohl nicht und schlug erneut zu. Und diesmal weinte das Löwenmäulchen ganz fürchterlich auf und schrie wie im Spieß. Ich ging sofort mit dem Quietschbeu auf Augenhöhe, hielt ihn an den Armen fest und sagte noch einmal „Nein! Du tust ihm weh!“ Er schien beeindruckt, dass das Löwenmäulchen so stark weinte. Als er erneut ansetzten wollte nahm ich ihm die Boo weg, sagte erneut, dass das weh täte und ob ich ihm mal zeigen sollte, wie sehr das weh tut.

Und bevor jetzt hier entsetzt aufgeschrieben wird: ich würde mein Kind nie schlagen. Ich kann meine Kraft sehr wohl kontrollieren und tat dies natürlich auch, als ich ihm zu Demonstrationszwecken mit der Boo auf den Arm haute. In etwa so, wie man Kindern auch zeigt, was heiß ist, indem man sich mit ihren Händen kontrolliert einer heißen Quelle nähert. So fest/nah, bis es unangenehm wird, aber nicht schmerzt. Der Quietschbeu schaute mich sofort erschrocken an, nickte dann sehr heftig und sagte „Aua! Ja!“ Meiner folgenden Aufforderung, sich beim Löwenmäulchen zu entschuldigen, kam er sofort nach.

Wir sprachen im Auto noch einmal drüber, dass man niemanden schlägt oder tritt. Mir schien, für den Quietschbeu war dabei das Schlimmste, dass seine geliebte Boo sowas wie wehtun kann. Er sagte immer wieder „Boo macht Aua“ und ich erklärte ihm immer wieder, dass nicht die Boo, sondern der, der damit zuhaut, wehtun würde. Nun ja, es ist eine Unterhaltung mit einem Zweijährigen. Ich werde sie noch öfters führen müssen, damit er begreift und verinnerlicht.

Bei der Tagesmutter angekommen wollte er mich erst wieder nicht loslassen, unbedingt kuscheln und ich sollte ihn ganz fest halten. Das ist an so Tagen, an denen er völlig überspannt und überreizt ist, häufig so. Leider sind wir (das Löwenmäulchen und ich) die Leidtragenden und manchmal habe ich auch Sorge, dass mir der Geduldsfaden reißt.

Es hilft, dann einfach mal in den Garten zu gehen, oder in den Keller. Im Auto hilft es, die Musik ganz laut zu machen und wenn möglich, die Fenster auf.

Ich denke nicht, dass das eine Jungen-typische Phase ist. Ich denke, es ist einfach ein sehr typisches Trotzmuster eines zweijährigen Kindes. Vermutlich wird es auch noch schlimmer werden, bevor es besser wird. Ich rufe mir dann immer vor Augen, wie furchtbar es dem Quietschbeu in diesen unglücklichen Momenten gehen muss. Wie zerrissen und haltlos man sich fühlen kann, wenn man so verzweifelt ist. Es sind Hormone und übermäßig feuernde Synapsen, auch schon und gerade bei Kleinkindern, die sich noch entwickeln, in jeglicher Hinsicht. Er ist nicht böswillig und kann ganz oft die Tragweite seines Handelns gar nicht wirklich begreifen und abschätzen.

Wenn Kinder trotzen, hauen, treten, beißen … dann ist das nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass man als Eltern versagt hat oder Fehler macht (die man ganz sicher dann und wann macht), sondern erst mal nur der Beweis, dass sich das Kind völlig Altersgerecht entwickelt. Als Eltern kann man das meiner Meinung nach nur sanft in die richtige Richtung lenken.

Vermutlich ist der einzige brauchbare Ratschlag, den ich geben kann, dass man sich selber Ventile sucht, um in diesen furchtbar anstrengenden, verletzenden und auch beängstigenden Situationen / Konfrontationen Ruhe zu bewahren bzw. seine eigene Grenze nicht zu überschreiten. Alles andere kann man nur begleiten.

 

mit Fehlern

Ich schrie heute den Quietschbeu an. Sehr laut, sehr wütend, sehr aggressiv. Und es tat mir binnen einer Sekunde bis ins Mark leid.

Das Löwenmäulchen zahnt gerade, was das Zeug hält. Dazu hat er eine enorme Rotznase und erhöhte Temperatur. Das personifizierte Leiden. Es ist wirklich furchtbar. Als ich ihn dann heute Abend nach dem Baden gut gestillt in sein Bett legte, jammerte er leise. Ich tätschelte ein Bisschen seinen Po, sang ein Lied und betete mit den Jungs eine Gute-Nacht Gebet.

Während der Miezmann und ich das Wohnzimmer und die Küche aufräumten schwoll das Gejammer immer mehr an und endete in einem lauten Geheule. Also ging ich wieder hoch, setzte mich auf den Stuhl neben das Löwenmäulchenbett und streichelte. Der Quietschbeu, von so viel Verkehr auf den Plan gerufen, sendete in einer Tour seinen Tagesbericht, den wir vor und nach dem Zubettbringen bereits mehrfach gehört und kommentiert hatten. Nun gut, er quatscht halt gerne und solange er das nicht schreien tut … dann begann er seine Trinkflasche an den Gitterstäben hin und her zu streifen. Wie das die Gefangenen im Gefängnis gerne tun. Sie wissen schon. Um die Wärter mürbe zu machen.

Das Löwenmäulchen jedenfalls heulte und jammert weiter und steigerte sich in eine anhaltende Hysterie. Also nahm ich ihn aus seinem Bett und wiegte ihn hin und her. Er schrie und kreischte weiter, wurde immer schriller und begann zu dem noch zu Kneifen und zu Kratzen.

Ruhig bleiben, tief atmen und summen.

Mit jedem Ton, den das Löwenmäulchen lauter und schriller wurde, schlug auch der Quietschbeu seine Flasche lauter gegen die Gitterstäbe. Auf meine Bitte dies zu unterlassen reagierte er gar nicht. Auch nicht auf meine lautere Aufforderung SOFORT aufzuhören und sich HINZULEGEN.

Wir schaukelten und also alle Drei munter immer weiter hoch und es endete in einem sehr lautem, wütenden und aggressiven Schrei meinerseits in Richtung Quietschbeu, er solle auf der Stelle die Klappe halten und sich hinlegen.

Totenstille.

Der Quietschbeu legte sich sofort ohne einen weiteren Ton hin, mir Schlug der Herzschlag bis zum Hals und das Löwenmäulchen hielt für Augenblicke den Atem geschockt an, bevor es erneut begann zu Weinen. Diesmal konnte ich ihn jedoch relativ schnell beruhigen.

Bevor ich wieder raus ging streichelte und küsste ich den Quietschbeu noch einmal und entschuldigte mich für mein Gebrüll. Ich sagte, dass ich ihn lieb habe und er etwas Schönes träumen solle. Er war nicht nachtragend, sagte mir gute Nacht und ließ sich küssen. Dennoch hatte ich noch Minuten später einen Puls wie nach einem Autounfall.

Sehen Sie. Ich bin halt wirklich keine Supermom. Ich bin nur ein Mensch. Mit Fehlern.

 

misslungene Premiere

Der gestrige kurzentschlossene Saunabesuch mit meiner Schwester war wirklich, wirklich sehr entspannend, sehr toll, sehr Hach.

Nach vier Stunden hatte ich allerdings auf der rechten Seite eine Beton-Monster-Brust. Nach fünf Stunden war auch die Linke ein steinharter Ball. Die ganze Zeit begleiteten mich Gedanken, ob das Löwenmäulchen wohl ruhig schlief, ob es Krähen würde und wenn ja, ob der Miezmann es beruhigt bekäme. Als Notfallplan hatten wir eine 2:1 Kuhmilch-Wasser-Mischung eingeplant. Aber wirklich Hunger sollte ihn an sich nicht quälen, in gerade mal fünf Stunden.

Als ich nach Hause kam empfing mich ein sehr müder Miezmann. Das Löwenmäulchen hatte 2 Stunden durchgebrüllt (und wenn es außer sich ist, steht es dem Quietschbeu in Sachen Quietschen in nichts nach!). Von der Milchplörre hatte er gerade mal 40 ml unter Protest gesüffelt. Letztendlich sei er vor Erschöpfung eingeschlafen.

Als ich dann ins Schlafzimmer kam, um den kleine Mann meine inzwischen bis zum Anschlag gefüllten Brüste zu offerieren, war dieser nicht wachzukriegen. Absoluter Tiefschlaf. Jammern auf meiner Seite, denn die Brüste schmerzten inzwischen sehr.

Gegen 2 Uhr fanden wir dann endlich zusammen.

Ich denke, den nächsten Ausflug halte ich kürzer. Oder ich warte, bis das Löwenmäulchen nicht mehr so Brustfixiert ist. Armer kleiner Mann. Armer Miezmann ;)

Hui Buh!

Als ich gestern abend in der Waschküche war kam eine Nachbarin dazu, die deutilch auf Schnacken aus war. Also unterhalten wir uns ein wenig, während ich meinen Trockner und die Waschmaschine einräume. Als wir nach oben gehen, will sie noch kurz im Flur stehen und weiter quatschen. Sie ist eine ausgesprochene Quasselstrippe. Doch ich höre sofort, dass was nicht stimmt. Als ich ihr ein Zeichen gebe kurz den Schnabel zu halten hört man ganz leise ein sehr hysterisches Schreien. Ich wusste sofort, dass das der Quietschbeu ist. Und wenn man ihn bis in den Hausflur hören konnte, dann war wirklich Holland in Not. Ich sprinte also die Treppe hoch und die Nachbarin ruft noch: „Das ist Dein Kleiner, oder?“ – „Nein, das ist der Quietschbeu!“

Natürlich hatte ich Recht. Als ich in sein Zimmer stürze steht er im Bett, ringt nach Luft, knallrot, pitschnass und völlig verkrampft. Ich nehme ihn sofort auf den Arm und er klammert sich an mich, schreit mir dabei aber mit vollem Volumen und in der schrillsten Tonlage die er hat ins Ohr. Mehrfach. Ich beiße die Zähne auf einander und wiederstehe dem Drang ihn einfach fallenzulassen. Körperlicher Schmerz und so. Sie wissen schon.

Doch er beruhigt sich nicht. Wir gehen ins Wohnzimmer. Er schreit. Ich ziehe ihm den Schlafsack aus. Er schreit. Ich biete ihm etwas zu Trinken an. Er schreit. Ich stelle ihn hin. Er schreit. Ich nehme ihn wieder hoch. Er schreit. Ich gehe wieder mit ihm in sein Zimmer. Er schreit. Ich verdunkle bis auf ein kleines Licht alles. Er schreit. Ich setze mich auf den Fußboden, stelle seine Trinkflasche vor mich und warte. Da tippelt er auf die Flasche zu, nimmt sie und wirft sie volles Programm gegen die Zimmertür. Das macht er noch zweimal, bis ich ihm die Flasche dann abnehme. Stattdessen schlägt er dann gegen die Heizung, die Tür. Er ist wie von Sinnen.

Inzwischen sind gute 30 Minuten vergangen. Ich gebe ihm Bachblüten.

Dann ziehe ich ihm einen dünnen Sommersack an, lege ihn sein Bett wo es eine Weile dauert, bis ich ihn dazu überreden kann, sich hinzulegen und sich zudecken zu lassen. Er schluchzt und schluchzt und schluchzt. Eine halbe Stunde lang muss ich meine Hand an seiner Wange liegen lassen, bis er endlich eingeschlafen zu sein scheint. Eine schier endlose halbe Stunde, in der ich immer wieder abwäge, ob ich möglicherweise mit in das Gitterbett passe und ob es mich wohl mit trägt oder zusammenbrechen würde. Da er „sowas wie schläft“, traue ich mich nicht ihn wieder aus dem Bett und mit in meines zu nehmen.

Als ich schließlich sein Zimmer verließ, gerade die Tür leise hinter mir zuziehen möchte, beginnt das Löwenmäulchen zu schreien. Ich bin wirklich überrascht, weil er sich sonst nie vor 3 Uhr nachts meldet. Als ich ins Schlafzimmer komme und mich über ihn beuge ist auch sofort klar, dass er schlimme Bauchkrämpfe haben muss. Er windet sich, jammert, quiekt, weint. Ich nehme ihn hoch, schuckel ein bisschen und lege ihn an. Das beruhigt ihn sofort. Doch kaum liegen wir beide, beginnt der Quietschbeu erneut in seinem Zimmer fürchterlich zu weinen.

So gehe ich kurzerhand rüber und nehme ihn auch noch mit in mein Bett. Das Löwenmäulchen lege ich zwischen uns, damit ich es stillen und zeitgleich den Quietschbeu kuscheln kann. Hätte ich mir früher auch nicht geträumt. Stereoberuhigen und –ksucheln.

Der Quietschbeu schläft ratz fatz wieder ein und auch das Löwenmäulchen scheint alsbald im Land der Träume. Da der Quietschbeu einen recht wilden Schlaf hat, versuche ich das Löwenmäulchen wieder in sein angestelltes Babybett zu legen und mit einem Stillkissen vor seinem Bruder zu schützen, als es urplötzlich hinter mir aus der Dunkelheit „Huiiiii Buuuuuh!“ quietscht und ich eine Boo ins Gesicht bekomme. Der Quietschbeu saß kerzengrad hinter mir, grinste mich sehr breit an – so ein bisschen wie der Grinsekater aus Alice im Wunderland – und begann dann in seine Wort-Gestik-Laut-Sprache Wasserfallartig auf mich einzuquatschen. Mitten im seinem Erzählen reißt er dann beide Arme in die Luft, sagt sehr kurz und knapp „So!“ und fällt wie ein Baumstamm zur Seite um.

Ich hatte im ersten Moment ernsthaft Angst. Das war eine so gruselige Szene.

Ich warte eine viertel Stunde ab, nur um immer wieder solche Szenen zu erleben. Letztendlich entschließe ich mich, den Quietschbeu doch wieder in sein Bett zu bringen. Zeitweise stand er nämlich im Bett und rüttelte lachend am Kopfteil. Wer weiß, was er sonst noch im Schlaf angestellt hätte. Wohlmöglich wäre er auf das Löwenmäulchen gefallen oder hätte die Schlafzimmertür aufgemacht und wäre die Wendeltreppe runter gestürzt. Nix für meine Nerven.

Zum Glück schlief er dann in seinem Bett auch sofort weiter.

Als ich um 23:30 Uhr wieder nach unten gehe bin ich restlos erschöpft. Das waren die wohl anstrengendsten 2 Stunden seitdem ich mit den Jungs alleine bin. Und Sorgen macht mir das Geschlafwandle auch, da ich weiß, dass der Miezmann als Kind so stark Schlafwandelte, dass man alles weg und abschließen musste.

Um 4 Uhr hat der Quietschbeu eine erneute halbstündige Schreiphase, von der ich mir aber nicht sicher bin, ob es nur ein ausgeprägter Nachtschreck war. Möglicherweise hatte er auch ernsthaft Schmerzen, da das Zahnfleisch um die obere rechte Eckzahnspitze, die bereits durchgebrochen ist, arg geschwollen war. Natürlich war das Osanit alle. Erst habe ich ihn eine Weile auf dem Arm, trage ihn im Kreis, dann streichle ich ihn, während er Schluchzend im Bett liegt, bis er schließlich wieder eingeschlafen ist.

Heute Morgen ist er nahezu ein Sonnenscheinkind. Sieht man mal davon ab, dass er seit heute seinen Tripp Trap als Klettergerüst nutzt und mich so schon gute 10 Mal an den Rand einen Nervenzusammenbruchs gebracht hat. Dann machen wir den Bügel nun also ab.

hilflos.

Die Damen, die vor wenigen Tagen so gute Ratschläge bezüglich des Umgangs mit dem eigenen Willen des Nachwuchses hatten, können die mir eventuell auch einen Rat geben, was ich tun soll, wenn der Quietschbeu sein schrilles, hysterisches Schreien einsetzt, wenn er seinen Willen nicht bekommt?

Es ist mir dann einfach unmöglich ihn in den Arm zu nehmen oder ihm nahe zu sein. Es geht einfach nicht. Es tut nur in den Ohren weh und ich bekomme unglaublich starke Kopfschmerzen davon.

Ich will dem Quietschbeu aber auch nicht das Gefühl geben ihn zu ignorieren oder nicht für ihn da zu sein. Ein absolutes emotionales Desaster. Für mich. Und wahrscheinlich auch für ihn.

Nachtrag:

heute dauerte der „Anfall“ über eine dreiviertel Stunde. Der Quietschbeu wollte auf meinen Arm, hob ich ihn hoch schlug er mir ins Gesicht, kratze mich und zog mir an den Haaren. Also habe ich ihn wieder abgesetzt und mich neben ihn aufs Sofa gesetzt. Dort warf er sich permant ins Hohlkreuz, trat mich, zog an meiner Kleidung. Ich bin ruhig geblieben, habe leise mit ihm gesprochen, doch nichts half. Er kniff und kratze weiter. Wenn ich aufstand, um ihm z.B. eine Boo zu holen, wurde es noch schlimmer. Nur beim Trinken beruhigte er sich für 30 Sekunden, um mir dann die Trinkflasche mit voller Wucht ins Gesicht zu schlagen. Als ich ihn auf den Schoß nahm, wo er deutlich hin wollte, schlug er mit seinen Kopf so feste nach hinten, dass meine Oberlippe blutete. Er ist pitschnass geschwitzt und inzwischen auch im Gesicht zerkratzt.

Ich weiß, er tut nichts davon böswillig oder mit Absicht. Aber ich bin nicht in der Lage ihn zu beruhigen. Er verletzte sich und mich. Es ist schier unmöglich ausreichend Kraft aufzubringen, um ihn davon abzuhalten sich zu schlagen, kratzen oder an den Haaren zu ziehen. Letztendlich umklammerte ich ihn, was ihn noch rasender machte und mir diverse Tritte in den Unterleib einbrachte.

Räumlicher Wechsel, Abwechslung, Ablenkung … nichts hilft. Das meiste macht es nur schlimmer.

Es ist so schrecklich. Ich weiß nicht wovon ausgelöst. Ich verbot ihm, meine Kaffeetasse umherzutragen. Da begann das Schreien und hörte nicht mehr auf. 45 Minuten lang. Pure Hysterie.

Er WILL zu mir, um sich dann mit allen Kräften und Mitteln von mir zu lösen. Ich weiß, dass das so ein Entwicklungsdings ist, aber gibt es nicht wenigstens ein Mittelchen, das uns beide dabei nicht so unsagbar hilflos und traurig macht?

Wir – der Quietschbeu und ich – sind ernsthaft verzweifelt, in diesen Momenten.

Es hörte dann schlagartig von einer Sekunde auf die andere wieder auf. Einfach so. Er lachte sogar direkt wieder, immer noch von diesen Schluchzern geschüttelt, die man nach langen hysterischen Weinen hat. Furchtbar.

Nachtrag 2:

Gerade mit meiner Schwester telefoniert, die mir berichtet, dass mein inzwischen 12jähriger Neffe sehr ähnliche Anfälle hatte, als er im Alter des Quietschbeus war. So schlimm sich das anhört, aber das beruhigt mich doch ein wenig. Immerhin scheint das wirklich nur eine Nebenwirkung einer Entwicklungsphase zu sein und nichts Ernstes.