Alle 5 Jahre gehe ich auf eine Tupperparty. Meist, um defekte Deckel oder Dosen zu reklamieren, oder einen neuen Apfelsinenschäler zu ordern, den man dann doch geschenkt bekommt, weil der eigentlich seit Jahren nicht mehr im Programm ist. Nun ergab es sich, dass die unmittelbare Nachbarin der Schwesterfamilie eine Tupperparty gab, ich aber nichts zum Reklamieren hatte und Apfelsinenschäler derzeit sogar zwei besitze. Dennoch sah ich in diesem Abend meine einmalige Chance nach 18 Uhr unter Menschen, auch fremde, zu kommen.
Um 19 Uhr bette ich also meine Jungs in Reisebetten. Normalerweise schlafen beide schnell und unkompliziert ein, aber da Mutter ja das erste Mal seit Wochen etwas vorhat, weinen und schreien wir heute ausnahmsweise mal bis 20:20 Uhr rum. Etwa zu dieser Zeit begriff ich nämlich erst, dass der Quietschbeu vor den roten Zahlen des Nichtenweckers Angst hatte und drehte diesen um. Dann war schlagartig Ruhe im Karton.
Ich kam also schon mal 30 Minuten zu spät zur Party, auf der meine Schwester und meine Mutter bereits mit wichtigen Mienen der Tupperberaterin lauschten. Man ist ja immer so ein bisschen angestrengt wichtig, auf so einer Party, um das Klischee der trendbewussten Hausfrau zu bedienen. Am besten gefällt mir immer das Getuschel darüber, dass dieses und jenes schrecklich überflüssig, total unnötig und/ oder fürchterlich unpraktisch ist. Meist sind das genau die Dinge, die die Beraterin gerade überzeugt bis in die Haarspitzen auf dem flachen Handteller mit dem Zeigefinger der anderen Hand umschmeichelt. Ich muss dann immer an Flugbegleiterinnen denken.
Jedenfalls hatte ich ein Ziel. Ich wollte, beseelt durch meine neue große Küche, einen Tupperdeckelhalter erwerben. Nichts nervt mich nämlich mehr, als die Deckel der unterschiedlich großen Schüsseln, die einem beim Öffnen des Schranks entgegen rollen und auf der Erde landen.
Es kam anders. Ich weiß, dass die Gefahr besteht, dass der Miezmann hier vorbei schaut und erfährt, was ich getan habe. Aber heute soll mal das Interesse der Allgemeinheit im Vordergrund stehen. Und da Sie darauf brennen zu erfahren, wie das ausging mit mir und der Tupperparty, kann ich Sie nicht im Ungewissen lassen.
Ich kaufte einen Tupperdeckelhalter (der ist wirklich praktisch, Schatz!), ein Kunterbunt-Set (3 Döschen a 120ml. Für Unterwegsobst und so), eine große Salatschüssel aus der Junge Welle Linie und noch etwas, was ich vergessen habe (aber unbedingt brauche … äh, ja). Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, ich war stark beherrscht.
Besonders angetan hatte es mir nämlich eigentlich der Dampfgarer für die Mikrowelle. Ich bin ein bekennender Dampfgarfan und finde die guten, aber recht teuren Dampfgarbeutel von Toppitz echt unpraktisch, was Größe und Müllaufkommen angeht. Aber der Dampfgarer von Tupper kostet 101 Euro. Dä.
Beherrscht also. Bis in die Haarspitzen.
Heute Morgen, nach dem Haarefönen, rief die Nachbarin meine Schwester an. Sie habe als Gastgeberin jetzt so viele Punkte, dass sie den Dampfgarer für 45 Euro bekommen würde!
Ich habe mir den Dampfgarer daher jetzt einfach mal selber zum Geburtstag geschenkt. Da kann der Mann ja dann nix gegen sagen. Weil ein schönes Geschenk habe ich mir ja redlich verdient, wie ich finde.
Wenn Sie sich über die Unsinnig- und Unnötigkeit von Tupper generell auslassen wollen, suche Sie bitte ein dafür geeignetes Selbsthilfe-Forum auf. Auch bin ich keine Tupperberaterin und organisiere auch keine Tupperpartys im Raum Bonn (für Google später, Sie wissen schon). Danke.