Eine dieser Phasen

Der Quietschbeu steckt aktuell in einer neuen „Grenzen austesten“-Phase. Zeitgleich beginnt er Sätze zu sprechen, statt nur einzelne Wörter. Er braucht ganz viel Nähe, ganz viel Distanz, ganz viel Aufmerksamkeit und ganz viel Freiheit. Es ist eine anstrengende Phase. Wenn er etwas haben möchte schreit er sehr schrill los. So, wie zu seinen besten Babyzeiten. Wenn ich mich dann auf seine Augenhöhe begebe fällt er mir sofort um den Hals, schluchz und klammert sich fest. Es dauert immer einige Minuten, bis er dann verbalisieren kann, dass er einen Tee oder eine Banane essen möchte.

Oft ist es auch so, dass er etwas unbedingt haben will, wir über oben beschriebenen Ablauf dorthin gelangen und er dann schlagartig etwas ganz anderes will und wieder weint.

Selbst ein sanft ausgesprochenes Verbot lässt  ihn direkt in Hysterie verfallen. Allerdings kann man ihn da schnell wieder rausholen, indem man ihm eine Alternative anbietet oder ihn ablenkt.

Es ist eine Zerreißprobe für uns beide. Ich weiß ja, dass keine böse Absicht hinter seiner Wankelmütigkeit und Hysterie steckt. Natürlich ist es dennoch sehr nervenzehrend und wenn ich genervt reagiere ist seine Verzweiflung gleich noch größer.

Auch schlief er in den letzten Wochen schlechter, was sich aber wieder gegeben hat. Urplötzlich wollte er nachts wieder eine Flasche Milch. Vermutlich lag das aber wiederum an seinem minimalen Essverhalten, das sich auch gebessert hat. Gestern aß er immerhin 2 volle Schüsseln Kartoffeleintopf.

Ich bin unendlich stolz auf meinen großen Jungen. Wie schnell er neue Zusammenhänge erkennt und begreift und ganz besonders darauf, wie empathisch er ist. Und ich hoffe in erster Linie für ihn und sein Gemüt, dass er bald diese Zerrissenheitsphase überwunden hat. (Und für mich und meine Nerven wünsch ich das natürlich auch.)

Hui Buh!

Als ich gestern abend in der Waschküche war kam eine Nachbarin dazu, die deutilch auf Schnacken aus war. Also unterhalten wir uns ein wenig, während ich meinen Trockner und die Waschmaschine einräume. Als wir nach oben gehen, will sie noch kurz im Flur stehen und weiter quatschen. Sie ist eine ausgesprochene Quasselstrippe. Doch ich höre sofort, dass was nicht stimmt. Als ich ihr ein Zeichen gebe kurz den Schnabel zu halten hört man ganz leise ein sehr hysterisches Schreien. Ich wusste sofort, dass das der Quietschbeu ist. Und wenn man ihn bis in den Hausflur hören konnte, dann war wirklich Holland in Not. Ich sprinte also die Treppe hoch und die Nachbarin ruft noch: „Das ist Dein Kleiner, oder?“ – „Nein, das ist der Quietschbeu!“

Natürlich hatte ich Recht. Als ich in sein Zimmer stürze steht er im Bett, ringt nach Luft, knallrot, pitschnass und völlig verkrampft. Ich nehme ihn sofort auf den Arm und er klammert sich an mich, schreit mir dabei aber mit vollem Volumen und in der schrillsten Tonlage die er hat ins Ohr. Mehrfach. Ich beiße die Zähne auf einander und wiederstehe dem Drang ihn einfach fallenzulassen. Körperlicher Schmerz und so. Sie wissen schon.

Doch er beruhigt sich nicht. Wir gehen ins Wohnzimmer. Er schreit. Ich ziehe ihm den Schlafsack aus. Er schreit. Ich biete ihm etwas zu Trinken an. Er schreit. Ich stelle ihn hin. Er schreit. Ich nehme ihn wieder hoch. Er schreit. Ich gehe wieder mit ihm in sein Zimmer. Er schreit. Ich verdunkle bis auf ein kleines Licht alles. Er schreit. Ich setze mich auf den Fußboden, stelle seine Trinkflasche vor mich und warte. Da tippelt er auf die Flasche zu, nimmt sie und wirft sie volles Programm gegen die Zimmertür. Das macht er noch zweimal, bis ich ihm die Flasche dann abnehme. Stattdessen schlägt er dann gegen die Heizung, die Tür. Er ist wie von Sinnen.

Inzwischen sind gute 30 Minuten vergangen. Ich gebe ihm Bachblüten.

Dann ziehe ich ihm einen dünnen Sommersack an, lege ihn sein Bett wo es eine Weile dauert, bis ich ihn dazu überreden kann, sich hinzulegen und sich zudecken zu lassen. Er schluchzt und schluchzt und schluchzt. Eine halbe Stunde lang muss ich meine Hand an seiner Wange liegen lassen, bis er endlich eingeschlafen zu sein scheint. Eine schier endlose halbe Stunde, in der ich immer wieder abwäge, ob ich möglicherweise mit in das Gitterbett passe und ob es mich wohl mit trägt oder zusammenbrechen würde. Da er „sowas wie schläft“, traue ich mich nicht ihn wieder aus dem Bett und mit in meines zu nehmen.

Als ich schließlich sein Zimmer verließ, gerade die Tür leise hinter mir zuziehen möchte, beginnt das Löwenmäulchen zu schreien. Ich bin wirklich überrascht, weil er sich sonst nie vor 3 Uhr nachts meldet. Als ich ins Schlafzimmer komme und mich über ihn beuge ist auch sofort klar, dass er schlimme Bauchkrämpfe haben muss. Er windet sich, jammert, quiekt, weint. Ich nehme ihn hoch, schuckel ein bisschen und lege ihn an. Das beruhigt ihn sofort. Doch kaum liegen wir beide, beginnt der Quietschbeu erneut in seinem Zimmer fürchterlich zu weinen.

So gehe ich kurzerhand rüber und nehme ihn auch noch mit in mein Bett. Das Löwenmäulchen lege ich zwischen uns, damit ich es stillen und zeitgleich den Quietschbeu kuscheln kann. Hätte ich mir früher auch nicht geträumt. Stereoberuhigen und –ksucheln.

Der Quietschbeu schläft ratz fatz wieder ein und auch das Löwenmäulchen scheint alsbald im Land der Träume. Da der Quietschbeu einen recht wilden Schlaf hat, versuche ich das Löwenmäulchen wieder in sein angestelltes Babybett zu legen und mit einem Stillkissen vor seinem Bruder zu schützen, als es urplötzlich hinter mir aus der Dunkelheit „Huiiiii Buuuuuh!“ quietscht und ich eine Boo ins Gesicht bekomme. Der Quietschbeu saß kerzengrad hinter mir, grinste mich sehr breit an – so ein bisschen wie der Grinsekater aus Alice im Wunderland – und begann dann in seine Wort-Gestik-Laut-Sprache Wasserfallartig auf mich einzuquatschen. Mitten im seinem Erzählen reißt er dann beide Arme in die Luft, sagt sehr kurz und knapp „So!“ und fällt wie ein Baumstamm zur Seite um.

Ich hatte im ersten Moment ernsthaft Angst. Das war eine so gruselige Szene.

Ich warte eine viertel Stunde ab, nur um immer wieder solche Szenen zu erleben. Letztendlich entschließe ich mich, den Quietschbeu doch wieder in sein Bett zu bringen. Zeitweise stand er nämlich im Bett und rüttelte lachend am Kopfteil. Wer weiß, was er sonst noch im Schlaf angestellt hätte. Wohlmöglich wäre er auf das Löwenmäulchen gefallen oder hätte die Schlafzimmertür aufgemacht und wäre die Wendeltreppe runter gestürzt. Nix für meine Nerven.

Zum Glück schlief er dann in seinem Bett auch sofort weiter.

Als ich um 23:30 Uhr wieder nach unten gehe bin ich restlos erschöpft. Das waren die wohl anstrengendsten 2 Stunden seitdem ich mit den Jungs alleine bin. Und Sorgen macht mir das Geschlafwandle auch, da ich weiß, dass der Miezmann als Kind so stark Schlafwandelte, dass man alles weg und abschließen musste.

Um 4 Uhr hat der Quietschbeu eine erneute halbstündige Schreiphase, von der ich mir aber nicht sicher bin, ob es nur ein ausgeprägter Nachtschreck war. Möglicherweise hatte er auch ernsthaft Schmerzen, da das Zahnfleisch um die obere rechte Eckzahnspitze, die bereits durchgebrochen ist, arg geschwollen war. Natürlich war das Osanit alle. Erst habe ich ihn eine Weile auf dem Arm, trage ihn im Kreis, dann streichle ich ihn, während er Schluchzend im Bett liegt, bis er schließlich wieder eingeschlafen ist.

Heute Morgen ist er nahezu ein Sonnenscheinkind. Sieht man mal davon ab, dass er seit heute seinen Tripp Trap als Klettergerüst nutzt und mich so schon gute 10 Mal an den Rand einen Nervenzusammenbruchs gebracht hat. Dann machen wir den Bügel nun also ab.

Wir können auch anders

Für alle die uns unterschwellig immer gehasst haben, weil wir zwei Traumschläfer bekommen haben, die gerne ins Bett gehen, schnell und problemlos einschlafen und die sehr schnell durch schliefen, 12 Stunden des Nachts und 2 bis 3 Stunden mittags:

Zweieinhalb Stunden hysterisches Dauergekreische von 4 Uhr bis 6:30 Uhr. Ohne ersichtlichen Grund und ohne die Chance auf Beruhigung. Zweieinhalb Stunden also, in denen ich im Quietschbeuzimmer auf der Erde oder im Stillsessel saß und dem kleinen Mann beim Wüten zusah. Pures Begleiten und Auffangen, quasi. Meine Nerven haben sich jedenfalls eine Medaille in Gold verdient.

Und einen gigantischen Milchkaffee mit Amaretto.Flattr this

hilflos.

Die Damen, die vor wenigen Tagen so gute Ratschläge bezüglich des Umgangs mit dem eigenen Willen des Nachwuchses hatten, können die mir eventuell auch einen Rat geben, was ich tun soll, wenn der Quietschbeu sein schrilles, hysterisches Schreien einsetzt, wenn er seinen Willen nicht bekommt?

Es ist mir dann einfach unmöglich ihn in den Arm zu nehmen oder ihm nahe zu sein. Es geht einfach nicht. Es tut nur in den Ohren weh und ich bekomme unglaublich starke Kopfschmerzen davon.

Ich will dem Quietschbeu aber auch nicht das Gefühl geben ihn zu ignorieren oder nicht für ihn da zu sein. Ein absolutes emotionales Desaster. Für mich. Und wahrscheinlich auch für ihn.

Nachtrag:

heute dauerte der „Anfall“ über eine dreiviertel Stunde. Der Quietschbeu wollte auf meinen Arm, hob ich ihn hoch schlug er mir ins Gesicht, kratze mich und zog mir an den Haaren. Also habe ich ihn wieder abgesetzt und mich neben ihn aufs Sofa gesetzt. Dort warf er sich permant ins Hohlkreuz, trat mich, zog an meiner Kleidung. Ich bin ruhig geblieben, habe leise mit ihm gesprochen, doch nichts half. Er kniff und kratze weiter. Wenn ich aufstand, um ihm z.B. eine Boo zu holen, wurde es noch schlimmer. Nur beim Trinken beruhigte er sich für 30 Sekunden, um mir dann die Trinkflasche mit voller Wucht ins Gesicht zu schlagen. Als ich ihn auf den Schoß nahm, wo er deutlich hin wollte, schlug er mit seinen Kopf so feste nach hinten, dass meine Oberlippe blutete. Er ist pitschnass geschwitzt und inzwischen auch im Gesicht zerkratzt.

Ich weiß, er tut nichts davon böswillig oder mit Absicht. Aber ich bin nicht in der Lage ihn zu beruhigen. Er verletzte sich und mich. Es ist schier unmöglich ausreichend Kraft aufzubringen, um ihn davon abzuhalten sich zu schlagen, kratzen oder an den Haaren zu ziehen. Letztendlich umklammerte ich ihn, was ihn noch rasender machte und mir diverse Tritte in den Unterleib einbrachte.

Räumlicher Wechsel, Abwechslung, Ablenkung … nichts hilft. Das meiste macht es nur schlimmer.

Es ist so schrecklich. Ich weiß nicht wovon ausgelöst. Ich verbot ihm, meine Kaffeetasse umherzutragen. Da begann das Schreien und hörte nicht mehr auf. 45 Minuten lang. Pure Hysterie.

Er WILL zu mir, um sich dann mit allen Kräften und Mitteln von mir zu lösen. Ich weiß, dass das so ein Entwicklungsdings ist, aber gibt es nicht wenigstens ein Mittelchen, das uns beide dabei nicht so unsagbar hilflos und traurig macht?

Wir – der Quietschbeu und ich – sind ernsthaft verzweifelt, in diesen Momenten.

Es hörte dann schlagartig von einer Sekunde auf die andere wieder auf. Einfach so. Er lachte sogar direkt wieder, immer noch von diesen Schluchzern geschüttelt, die man nach langen hysterischen Weinen hat. Furchtbar.

Nachtrag 2:

Gerade mit meiner Schwester telefoniert, die mir berichtet, dass mein inzwischen 12jähriger Neffe sehr ähnliche Anfälle hatte, als er im Alter des Quietschbeus war. So schlimm sich das anhört, aber das beruhigt mich doch ein wenig. Immerhin scheint das wirklich nur eine Nebenwirkung einer Entwicklungsphase zu sein und nichts Ernstes.

Nachtschreck (kein Monster unterm Bett)

Vor einiger Zeit machte ich des Nachts die unliebsame Bekanntschaft mit dem sogenannten Nachtschreck. Dabei handelt es sich nicht um ein Monster, das im Kleiderschrank oder unter dem Bett sitzt, sondern um eine Schlafstörung bei Kleinkindern.

Die Symptome sind bei Wikipedia gut zusammen gefasst (die Hervorhebungen sind von mir):

Während der ersten Non-REM-Schlafphase (typischerweise 15 Minuten bis eine Stunde nach dem Einschlafen) schreckt das Kind mit einem Schrei aus dem Tiefschlaf und ist vegetativ zunächst so aktiviert, dass es für bis zu fünfzehn Minuten nicht ansprechbar sein kann. Das Kind verspürt in dieser Zeit eine große Angst, welche man am Vegetativum messen kann. Als Zeichen dieser vegetativen Erregung kommen kalter Schweiß, schneller Puls und beschleunigte Atmung vor. Das Kind erkennt seine Eltern nicht und ist nur sehr schwer erweckbar. Am Ende des Anfalls erwacht es und schläft meist wieder ruhig ein. Meist kann es sich daraufhin nicht an den Vorfall erinnern.

Wenn man das liest kann man sicher erahnen, wie schlimm so ein Erlebnis für die Eltern ist, wenn man vorher noch nie etwas von Nachtschreck gehört oder gelesen hat. Der Quietschbeu, völlig außer sich, in Panik, schlägt um sich und schreit so hysterisch, als ginge es um sein Leben. Natürlich habe ich versuch ihn zu wecken, ihn zu trösten, zu halten. Ich bekam einige fiese Schläge ab, wurde gekratzt und hatte große Mühe mein Kind überhaupt zu halten und nicht fallen zu lassen.

Später erfuhr ich dann beim Kinderarzt, was genau es mit dem Nachtschreck auf sich hat und dass man alles tun soll, nur das Kind bitte nicht wecken. Meist sind die Kinder dann nämlich noch verwirrter, ängstlicher und noch schlechter wieder zum Schlafen zu bewegen. Wie oben geschrieben erinnert sich das Kind an einen nächtlichen Nachtschreck nicht, wenn man diesen einfach vorübergehen lässt.

Ich habe mir daher angewöhnt den Quietschbeu daher einfach zu streicheln und neben ihm zu sein. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass das auf den Arm nehmen den Schreck nur verstärkt und der Quietschbeu dann versucht sich hysterisch und mit aller Gewalt aus der Umarmung bzw. dem Griff zu lösen.

Diese Anfälle hatte der Quietschbeu bisher vier oder fünfmal. Immer kurz bevor er eine neue Fähigkeit erwarb. Der Kinderarzt geht daher von einer Überreizung des Nebensystems während des Schlafens aus. Kinder lernen ja bekanntlich im Schlaf am schnellsten und besten. Da der Miezmann als Kleinkind stark Geschlafwandelt ist, schließt unser Kinderarzt aber auch eine genetische Ursache beim Quietschbeu nicht aus.

Wenn man weiß, was Nachtschreck ist, wie man damit umgeht und dass dies nichts Schlimmes bedeutet, dann kann man recht gut damit umgehen. Auch während des Anfalls, wenn man seinem Kind in seiner Verzweiflung nicht helfen, sondern nur beistehen kann.

Wie ich heute darauf komme? Gestern via Twitter erfahren, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder während des Nachtschrecks filmen und das dann bei YouTube einstellen. Mit denen würde ich gerne mal weniger zärtlichen Körperkontakt pflegen … wenn Sie verstehen.

Außerdem möchte ich mit diesem Beitrag einfach informieren, dass es dieses Phänomen Nachtschreck gibt, damit niemand von Ihnen diese panische Angst empfinden muss, die ich empfand, als mein Kind das erste Mal einen Nachtschreckanfall erlitt und ich völlig unwissend und hilflos war.Flattr this