Mein Herz,
nun bist Du zwei Jahre alt. Zwei! Ich fasse es nicht.
Es ist ein halbes Jahr seit dem letzten Bericht vergangen und ich bin mir sicher, dass ich in diesem Bericht so einiges unterschlagen werde. Deine Entwicklung war einfach wie viele kleine Explosionen. Du wachtest morgens auf und konntest drei, vier, fünf neue Dinge. Einfach so.
Was sich in den letzten Monaten am deutlichsten entwickelt hat, ist Deine Sprache. Ich habe es längst aufgegeben Wörter zu notieren, die Du sprichst, denn Du spricht alle Wörter, die man Dir nennt. Das am häufigsten verwendete Wort ist definitiv Fufa, wobei Du inzwischen auch wunderbar Flugzeug sagen kannst, dies aber nur nach Aufforderung tust. Seit neustem nennst Du Deinen kleinen Bruder nicht mehr beim Namen, sondern rufst ihn schlicht und ergreifend „Bruder!“.
Du und Dein Bruder, ihr klebt den ganzen Tag zusammen. Du zeigst ihm Bücher, ringst mit ihm, tröstest, kasperst herum. Wenn wir Dich zu Bett gebracht haben und Du ihn im Nachbarzimmer weinen hörst, stellst Du immer sehr besorgt fest: „Sasa weint.“ Wenn ich Dir antworte, dass Du nun schnell schlafen müsstest, damit ich noch zu ihm rüber gehen kann, legst Du Dich sofort hin und krähst weder nochmal nach Wasser, irgendeinem Stofftier oder sonst etwas. Du bist so unglaublich verständnisvoll und empathisch, was Deinen Bruder angeht, dass es stellenweise beängstigend ist.
Dein Wille ist stark. Manchmal auch stärker als meine Nerven. Du möchtest Milch, ich gebe Dir eine Tasse Milch. „Nein, Saft!“ Ich räume die Tasse weg und gebe Dir einen Becher Saft. Man kann sich ja mal um entscheiden. „Nein, nein, nein! Milch!“ Dieses Spiel kannst Du bis zum Exzess betreiben. Mit beliebigen Dingen. Meistens sind es Müsli und Brot, Milch und Saft, in den Garten und drinnen bleiben wollen.
Du hasst es nach wie vor die Zähne zu putzen. Was haben wir nicht alles versucht. Du besitzt ein ganzes Zahnbürstensortiment. Bunte, kleine, große, mit Saugnäpfen, mit Musik und eine Elektrische. Du wühlst Dir auch fröhlich mit der Zahnbürste jeden Morgen und Abend im Mund herum, aber wehe ich möchte nachputzen. Da ich nicht vom Schlag „wenn er nicht will, will er nicht“ bin, haben wir daher leider abends immer einen kleinen Zahnputzringkampf. Das Beeindruckteste daran ist eigentlich, dass Du nach dem Wort „fertig“ sofort der liebste und lustigste und lachende Junge bist, den es gibt. Egal, ob Du 5 Sekunden zuvor noch Sodom und Gomorra geschrien hast und man den Eindruck gewinnen könnte, wir würden Dir nach dem Leben trachten.
Seit nun mehr 3 Wochen schläfst Du durch. Also komplett, ohne nach einem verlorenen Nuckel zu jammern oder Deine Boo zu suchen. Du trinkst selbstständig an Deiner Wasserfalsche, wenn Du Durst hast und rufst höchstens Mal „Mama?“, wenn der Nuckel tatsächlich unerreichbar aus dem Bett gefallen ist. Morgens begrüßt Du uns mit einem Lachen und forderst umgehend, dass ich Dir Deinen Bruder ins Bett setze, mit dem Du dann erst einmal herumkasperst.
Die Badewanne findest Du nach wie vor ganz große Klasse und mittlerweile konnten wir Dir auch die Dusche nahe bringen. Das war ein hartes Stück Arbeit, aber letztendlich duscht Du nun mit Papa oder mir zusammen. Im Schwimmbad hast Du Dich Sage und Schreibe eine halbe Stunde lang an mich geklammert, bis Du Dich auch mal alleine ins Babybecken gewagt hast. Du bist generell sehr vorsichtig und introvertiert. Du brauchst immer Zeit um aufzutauen, sogar bei Deiner liebsten Tantenfamilie dauert es 5 Minütchen, bis Du Dich wieder sicher fühlst.
Mama und Papa sind Dir gleichermaßen wichtig. Wir dürfen Dich beide ins Bett bringen, Dir beide Geschichten erzählen, Bücher ansehen, Essen machen. Alles gar kein Problem, solange mindestens einer von uns da ist.
Du liebst den Garten, den Sandkasten, die Wassermuschel und Deine neue Rutsche, die Du heute zum Geburtstag bekommen hast. Außerdem magst Du den kleinen blauen Elefanten sehr gerne und bist großer Fan von Pocoyo und seinen Freunden. Tatsächlich guckst Du nie Fernsehen, aber Pocoyo darf abends, vor dem Schlafengehen auf Papas Schoß gekuschelt schon sein. Ihr guckt das auf Papas iPhone, welches Du auch bereits völlig intuitiv bedienen kannst, während Dich die Tastensperre an Mamas Handy immer noch zuverlässig von Auslandsanrufen abhält.
Du telefonierst gerne. Am liebsten mit Tante Mimi. „Hallo Mimi!“ lauschen, nicken, winken „Tsüß Mimi!“ Aber Du kannst auch 30 Minuten am Stück ein Telefonat mit einem imaginären Gesprächspartner führen. Dabei bist Du definitiv der quasselnde Teil, nicht der Zuhörende.
Bücher sind nach wie vor Deine größte Leidenschaft. Ganz besonders das Buch „Wir fahren an die See“, das Mama in ihrer Kinderzeit geschenkt bekam. Beim Betrachten planst Du mit Papa stundenlang unseren nächsten Urlaub, kannst genau benennen, wo wir Pommes und Eis essen, wo wir am Strand liegen oder im Hafen Leuchttürme bewundern. Aber auch „He Duda“ von Axel Scheffler ist nach wie vor ein Favorit. Und natürlich die Jahreszeiten-Wimmelbücher.
Saugen, Wischen, Putzen zählen immer noch zu Deinen liebsten Beschäftigungen. Mittlerweile bist Du eine zuverlässige Unterstützung beim feucht Wischen oder wegputzen von Flecken und Pfützen. Du trennst selbstständig den Müll zwischen Papier, Plastik und Hausmüll und dies in den meisten Fällen auf Anhieb richtig.
Du hast einen Schuhtick und hasst Mützen und Kappen, bis auf die eine Kappe, auf der ein Steinbock aufgenäht ist (H&M, ist doch ein Steinbock, oder?), ich Dir diesen aber als Pferd verkauft habe. Ich hoffe Du verzeihst mir diese Notlüge, aber anders hast Du sie nicht aufgelassen.
Wir sammeln Leo Lausemaus-Hörspielkassetten die Du mit großer Freude und viel Aufmerksamkeit hörst und inzwischen auf selber umdrehen und starten kannst.
Flugzeuge faszinieren Dich. Unser Ausflug zum Köln/Bonner Flughafen war für Dich ein absolutes Highlight. Du hörst jedes noch so weit entfernte Flugzeug, weist uns sofort darauf hin und suchst es Sekundenspäter am Himmel. Findest Du es nicht, weil es zu bewölkt ist, erzählst Du uns so lange von dem Flugzeug, bis wir es gemeinsam verabschieden. Generell klappt das sehr gut. Manchmal fangen Dich Geschehnisse oder Dinge in einer Art Schleife. Du sagst dann hundert Mal Fufa oder Auto oder Schuhe. Ich sage Dir dann, dass wir uns von besagtem Ding jetzt verabschieden würden. Wir sagen zusammen „Tsüß!“ und Winken. Danach widmest Du Dich einfach anderen Dingen.
Du trägst weiterhin Größe 86/92, hast Schuhgröße 25 und bist bei der U7 vor zwei Wochen 88cm groß gewesen und wogst 13 Kilogramm.
Ich schenke Dir zu Deinem 2. Geburtstag 1000 Kü-schen und sage Dir, wie unglaublich liep! ich Dich habe. Mein kleines Wunder, auf das ich so lange habe warten müssen. Ich liebe Dich. Danke für jede Emotion, die Du in mir geweckt hast. Für jedes Herzflattern und für das anhaltende Gefühl von Verliebt sein. Danke für jedes freudestrahlende „Mama!“ und für jedes Lachen.
Ich liebe Dich!
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