Segen • Fluch • Leben

Wenn ich meine Kinder nicht hätte, die, über die ich auch mal jammere und von denen ich berichte, dass sie anstrengend und fordern wären, dann hätte ich vermutlich schon lange aufgegeben durchzuhalten. Das klingt ein wenig albern, denn auf der anderen Seite könnte man sagen, dass ich vermutlich gar nicht in dieser Lage wäre, hätte ich auf die Kinder verzichtet.

Kinder zu haben ist ein ewiger, täglicher Spagat zwischen einem Dutzend Kleinigkeiten. Derzeit bin ich zum Beispiel so krank, dass ich als kinderlose Arbeitnehmerin sofort zum Arzt gehen würde, um mich krankschreiben zu lassen. Nur waren die letzten Wochen die Jungs immer wieder krank. Manchmal zeitgleich, manchmal nacheinander. Und ich blieb mit ihnen natürlich zu Hause, um sie zu betreuen. Meine Arbeit blieb so liegen und mein Schreibtisch wurde immer voller. Es sind nicht mehr viele Wochen bis zum Mutterschutz und ich möchte bis dahin soweit alles erledigt und angestoßen haben, dass ich die vier Wochen Mutterschutz vor der Geburt auch wirklich genießen kann.

Mein Haushalt leidet im Moment und das nicht zu knapp. Daheim beschäftige ich mich entweder mit den Jungs, nutze eine Stunde zwischen meinem und ihrem Heimkommen um auf dem Sofa eine Pause für mich zu machen oder wurschtle das allernötigste weg, damit wir nicht total im Chaos versinken. Die Wäscheberge wachsen und gründlich Putzen müsste ich auch mal wieder ganz dringend.

Den Quietschbeu wollten sie mir heute Morgen im Kindergarten am liebsten direkt wieder mitgeben. Weil sein Auge tränt. Das tut es aber schon seit einer Woche und der Kinderarzt sagte, dass käme von der Erkältung. Das sei nicht ansteckender oder gefährlicher als eine Rotznase und man könne die Kinder (das Löwenmäulchen war ebenfalls betroffen) in den Kindergarten bringen. Nur leider wollen die Erzieher in der Quietschbeu-Gruppe das nicht annehmen und machen immer wieder Panik. Mein Mann sei doch diese Woche zuhause. Ja, weil er selber krank ist (zweite Mandelentzündung in 4 Wochen!) und sich bitte doch erholen soll.

Das sind Momente, in denen ich emotional zwischen allen Stühlen stehe. Bin ich unverantwortlich, weil ich mein Kind mit Erkältung in den Kindergarten bringe und die anderen Kinder ihre Erkältung so auch nicht los werden (die U3-Kinder sind seit September alle dauer verrotzt!) oder bin ich verantwortungslos, weil ich mein armes Kind in den Kindergarten schicke (auf den er sich so gefreut hatte), statt es zuhause zu pflegen? Er ist gut drauf und verhält sich völlig normal. Einzig eine Rotznase und Husten quälen ihn, das aber schon seit Wochen. Mal mehr und mal weniger.

Ich bi in ständiger Sorge. Um die Gesundheit der Kinder, die Gesundheit des Mannes, meine eigene Gesundheit. Um die Organisation unseres Alltags, meine Arbeit, unsere finanzielle Situation. Inzwischen auch leider öfters um meine Leistungsfähigkeit, was mich wieder zum eigentlich Ausgangsthema bringt.

Hätte ich keine Kinder, ich würde mich eine Woche krankschreiben lassen, mich ins Bett legen und schlafen, schlafen, schlafen. Zwischendurch würde ich etwas essen und duschen. Dann wieder schlafen.

Tatsächlich nutze ich aber jede freie Sekunde, um Dinge zu erledigen, die ich mit normaler Leistungsfähigkeit eben so nebenbei machen würde. Und powere mich dabei immer weiter aus, weine schneller, bin noch müder, ungeduldiger und leider auch tollpatschiger. Ich kann mich schlecht konzentrieren und werde manchmal von einer so beklemmenden Traurigkeit befallen, von der mich nur meine Jungs oder mein Mann wieder befreien können. Wenn dann Trotz und Rotz bei allen drei Männern hinzu kommt, scheint das Ende vom Tag manchmal einfach viel zu weit weg.

Meine Kinder, mein Mann, meine Familie.
Mein Segen und mein Fluch.
An jedem einzelnen Tag, zu jeder Tageszeit.
Mein Leben.

Nachtrag vom 27.01.2012: Ich danke Euch allen von Herzen für Euren Zuspruch und das Mut machen. Dass der Titel einen kleinen Freud’schen Vertipper enthielt (Segen • FluchT • Leben), ist mir auch erst heute aufgefallen.

Die letzten 4 Tage

Donnerstag

Ich fahre am Nachmittag mit den Jungs zu meiner Schwester, wo ich kurzerhand auf dem Sofa zusammen breche und die Jungs von meiner Nichte und meiner Schwester bespielt werden. Gegen 20 Uhr sind wir zu Hause, die Jungs gehen glücklich ins Bett und ich breche erneut, diesmal neben dem Mann, auf dem Sofa zusammen.

Freitag

Der Mann ist krank. Ich höre das an seinen ersten Atemzügen, noch bevor er “Guten Morgen” gesagt hat und bekomme sofort unbändige Panik. Wie soll ich das Wochenende nur ohne seine Hilfe schaffen? Im üblichen Schritt-für-Schritt-Verfahren mache ich die Kinder fertig, bringe sie in den Kindergarten und fahre zur Arbeit. Als ich sie am Machmittag abhole erhalte ich den ersten Statusanruf vom Mann, er sei beim Einkaufen, aber auf dem Heimweg. Die Tatsachen, dass er den Wocheneinkauf bereits alleine erledigt und relativ schwungvoll klang, geben mir wieder Hoffnung, dass er doch nicht so schlimm um ihn bestellt ist.
Zwischendurch ruft meine Mutter an und fragt besorgt, wie es mir geht. Meine Schwester habe ihr erzählt, dass ich erschöpft wäre. Nach all den Jahren ist es nun tatsächlich meine Mutter, die mich aufbaut, die mir sagt, dass das völlig normal und völlig okay wäre. Dass das rein gar nichts über meine Qualitäten als Mutter aussagen würde und dass auch sie solche Phasen durchlebt hätte. Da sie leider kein Auto hat, kann sie nicht vorbei kommen, würde aber sofort, wenn es helfen würde. 
Tatsächlich haben der Mann und ich mit den Jungs noch einen sehr schönen, aber auch anstregenden Nachmittag. Der Mann hat mir vom Einkaufen 3 verschiedene Ben&Jerry’s Töpfe mitgebracht und nach dem Genuss des Erstens rolle ich mich um 21 Uhr erneut schlafend auf dem Sofa zusammen.

Samstag

Ich fahre nach dem Frühstück mit dem Löwenmäulchen zu meiner Mutter. Der Miezmann und der Quietschbeu wollen Männerdinge machen und da sind wir ihnen im Weg, sagt der Mann.
Meine Mutter kocht mir Grießbrei. So, wie Grißbrei sei muss. Dick,  grob, süß. Ich bin ein sehr glücklich. 
Danach fahren wir zu IKEA und ich kaufen Bettzeug für die Jungs sowie dem Quietschbeu endlich einen Satz Töpfe und Rührlöffel. Da er seit einiger Zeit das Kochen für sich entdeckt hat, ist das genau das richtige Geschenk. 
Am Abend koche ich dem Miezmann auf seinem Wunsch hin Möhrenkartoffelstampf, das er mit großer Begeisterung und verliebten Augen ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn habe. In diesem Moment und auch sonst. Nachdem die Kinder im Bett sind und ich einen weiteren Topf Ben & Jerry’s geöffnet habe, rolle ich mich auf dem Sofa zusammen und schlafe.

Sonntag

In der Nacht holen wir das glühende Löwenmäulchen zu uns, dass fürchterlich weint und zittert. Ich gebe ihm ein Fieberzäpfchen und nehme es mit in mein Bett. Gegen 4 Uhr hören ich den Mann das erste Mal stören. Er könne nicht schlafen, ihm sei so heiß und so übel … mir schwant schon nichts gutes, aber ändern können wir gerade auch nichts.
Am Morgen  bewahrheitet sich dann das ganze Elend. Löwenmäulchen und der Miezmann habe sich beide eine wunderbar fiebrige Grippe eingefangen. Der Mann klagt über Kopf- und Gliederschmerzen, muss sich erbrechen und ist auch sonst ganz wacklig. Das Löwenmäulchen ist schläfrig, hat glasige Augen, spielt aber tapfer vor sich hin. Lediglich der Quietschbeu hat Energie für drei gesunde Kinder. Nachdem Frühstück frage ich ihn, ob er einen Ausflug zu Tante Mimi machen wolle, worauf er voller Begeisterung vom Stuhl springt und sofort los will. 
Meine Schwester holt ihn schließlich gegen 11.30 Uhr ab. Ein bisschen beruhigen und besänftigen musste ich ihn im Vorfeld doch, da er darauf bestand, dass ich auch mitkomme. Nachdem ich ihm aber mehrfach versichert hatte, dass er am Abend wieder nach Hause käme, verschwand er mit einem breiten Grinsen. 
Seither haben wir geschlafen. Und eine kleinigkeit gegessen. Der Miezmann lutscht Salzstangen und Zwieback, das Löwenmäulchen und ich Bananen und Kiwis. Ich bin erschöpft, nach wie vor. Genieße aber auch die Ruhe mit nur einem Kind. Der kleine Herr Löwenmaul ist nämlich ein “vor sich hin”-Spieler. Der braucht mich nur ganz selten und dann ist es meistens zum Kuscheln und Schmusen.

Was sonst noch war.

Blogleserin Eva schickt mir Globuli, die ich gegen die Übelkeit verwenden soll. Verschiedene Mittel, die ich in verschiedenen Varianten einnehmen kann. Gleich das erste Mittelchen, dass ich gestern Abend zu mir nahm, wirkt bisher ganz wunderbar. Keine stärkere Übelkeit mehr seither. Ob ich das wohl auch dem Mann geben kann?

flatterndes Herz

Wenn Du verbotenerweise hinter den Fernseher kletterst, ich Dich herausziehe, schimpfe und Du mich nur anstrahlst, Dein kleines Kinn dabei ganz spitz wird und Deine Augen ganz schmal, dann flattert mein Herz.

? geliebtes Löwenmäulchen ?

Wenn Du morgens im Bett auf mich drauf springst, mit dem Knie unglücklich in meinem Magen landest, ich mich daraufhin heulend hin und her wälze und Du dann Deine Hand ganz sanft auf meine Wange legst und leise „Ei, Mama. Nich weine“, sagst, dann flattert mein Herz.

? geliebter Quietschbeu ?

Wenn wir uns den halben Tag nur Anraunzen und Anzicken, weil der eine mit 5 Zähnen auf einmal Zahnt, der andere alles und nichts Essen, Trinken, Spielen will und Du mir am Abend, wenn es ganz still wird, kleine Ewigkeiten lang die Füße, den Nacken oder den Rücken streichelst, dann flattert mein Herz.

? geliebter Miezmann ?

Ein Besuch im Zoo. Oh oh oh oh.

Heute war die Familie Miez (Mama, Papa, Miezbeus) zum ersten Mal gemeinsam im Kölner Zoo. Das Wetter war traumhaft, allerdings zeitweise tatsächlich zu heiß für das kleine Löwenmäulchen, dass mehr der kühle Typ ist. Ich werde mich also wohl oder übel um ein Sonnensegel bemühen müssen.

Highlighttiere: die Elefanten, die an einem enorm großen Matschloch spielten, sich darin suhlten und später kaum noch raus kamen, weil sie viel zu tief im Schlamm steckten. Sehr beeindruckend, wie sie sich dann gegenseitig dort hinaus halfen. Und natürlich der Mini-Mini-Baby-Elefant. So süß!

 

Minifant

Auch voll toll: die Erdmännchen. Ich stehe auf Erdmännchen. Die gucken immer so neugierig und haben dabei so eine putzige “ich bin der Chef”-Körperhaltung.

 

Chefmännchen

Auch toll: der Tiger, dem es ebenfalls viel zu heißt war und der uns allen eine lange Nase machte, indem er sich einfach mal in seinen eigenen Pool legte.

 

Pooltiger

Natürlich haben wir noch eine ganze Menge mehr toller Tiere gesehen. Affen, Zebras, Giraffen … alles, was der Kölner Zoo so her gibt.

Der Quietschbeu aß Pommes, Tomaten, Äpfel und Eis und war trotz ausgefallenem Mittagsschlaf ganz schön fit.

Äffchen guckt Äffchen

Das einzige Tier, dass er nicht mochte (obwohl er sich so darauf gefreut hatte) war der Papagei. Die drei Aras, die man im Kölner Zoo bewundern kann, schrien so derart laut, dass der Quietschbeu sofort auf meinen Arm wollte, sein Gesicht in meiner Schulter vergrub und immer wieder “Aua!” rief, wenn erneut ein Papagei schrie. Die sind aber auch wirklich verdammt schrill.

Wir waren insgesamt 4,5 Stunden im Zoo unterwegs, in denen weder der Qietschbeu noch das Löwenmäulchen auch nur für Minuten die Augen schlossen. Kein Wunder also, dass beide im Auto auf der Heimfahrt wie Steine schliefen. Der Quietschbeu wurde nicht mal beim Aussteigen war und schlief noch eine  Stunde auf dem Sofa weiter.

Nach einer kleinen Badewannenrunde waren dann beide um 18:30 Uhr im Bett. Keine Sekunde zu früh. Die Jungs hatten beide sowas von fertig.

Ein wunderbarer Tag. Als nächstes wollen wir dann den Wuppertaler Zoo besuchen. Die haben nämlich auch Eisbären.

notiert #14

8 Tage sind seit meinem letzten Blogeintrag vergangen. Das ist schon sehr lange nicht mehr vorgekommen. Und dabei gibt es doch einiges zu berichten.

Nachdem meine Schwester mir mitteilte, sie würde die Kinder vormittags, wenn ich arbeiten muss, nicht mehr hüten, musste as soon as possible ein Alternativplan her. So traf ich mich vergangenen Donnerstag mit der neuen Tagesmutter der Jungs, um alle Einzelheiten zu besprechen. Wir kennen uns aus dem Geburtsvorbereitungskurs den der Miezmann und ich vor der Quietschbeugeburt besuchten. Damals bekamen wir parallel unseren ersten Sohn, inzwischen ist sie auch Mutter zweier Jungs. Der Kleine ist 5 Monate alt. Sie ist derzeit also in Elternzeit, eigentlich aber Erzieherin. Sie ist für meine Jungs einfach ideal, weil sie den Quietschbeu von Geburt an kennt, weil unsere großen Jungs in einem Alter sind, weil Sie die Ausbildung und die Zeit hat und weil sie ganz wunderbar mit meinen Kindern umgeht (und sich unsere Erziehungsstile sehr ähneln).

Ab Mai werden die Jungs also zwei Vormittage die Woche bei ihr und ihren Jungs sein. Ab Juli dann jeden Vormittag bis die Jungs Ende August in den Kindergarten kommen.

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Das Löwenmäulchen schubt und zahnt seit einer Woche. Inzwischen verzeichnen wir 6 Zähne und weiterhin starkes Sabbern, Jammern, Kauen, Beißen, Wimmern und der permanente Drang zu Stillen. Derzeit stillen wir nachts fast stündlich, aber auch tagsüber weint er ganz bitterlich, bis ich ihn anlege. Verlasse ich den Raum beginnt er zu weinen. Einzige Alternative ist Papas Arm, aber auch da muss ich bitte unbedingt in Sichtweite bleiben. Zu allem Übel zog mit dem Schub und der Zahnerei auch der quietschende Albtraum wieder bei uns ein. Das Löwenmäulchen kann nämlich durchaus ebenso laut und schrill Kreischen, wie der Quietschbeu. Leider tut er dies nun auch mit Nachdruck. Ich bin jedenfalls noch guter Dinge und klammere mich in den schlimmen Momenten an das Mantra aller Mütter. DasistnureinePhase.

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Der Quietschbeu schläft heimlich auf einem Wörterbuch oder hat zu viel Buchstabensuppe gelöffelt. Seit einer Woche plappert er wie ein Wasserfall nun auch Sätze. Heute mussten wir zum Beispiel sehr lachen, als er in der Wassermuschel im Garten saß, mit einem kleinen Eimer Wasser schaufelte und dann mit zuckersüßem Tonfall „Papa. Kommaher!“ rief. Dabei imitierte er den Tonfall des Miezmannes, den dieser immer hat, wenn er den Quietschbeu anlocken möchte, um ihn durch zu kitzeln. Ich sag mal so: der Miezmann war zum Schluss auch wirklich ordentlich nass.

Überhaupt haben wir die ganze Woche, der Miezmann hatte Urlaub, im Garten verbracht. Zwischen Wassermuschel, Sandkasten, Zelt, Picknickdecke und Hollywoodschaukel aßen wir Eis und kalte Erdbeeren, tranken Schoko-, Karamell- und Mocca-Frappés. Es war eine wunderbar entspannende Woche, die das Internet ganz weit von unserer Familie weg rückte.  Eben wie echter Urlaub.

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In einer Woche und einem Tag wird der Quietschbeu 2 Jahre alt. Das ist ein Montag. Gefeiert wird am Samstag darauf. Ich muss unbedingt noch eine Liste machen, was alles zu erledigen ist. Wir veranstalten ein amerikanisches BBQ, mit  Burgern vom Grill, Getränkedosen aus einer Tonne voll Eis und Muffins. Ich wollte noch eine Wimpelkette mit dem Quietschbeunamen nähen und ein Geburtstagsshirt. Mir rennt allerdings gerade auch so ein klein Wenig die Zeit weg. Da ich für die kommende Woche niemanden habe, der auf die Kinder aufpasst und ich daher nicht ins Büro fahren kann, muss ich jede freie Minute nutzen, um meine Angebote und Konzepte fertigzustellen.

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Sie sehen, der Familie Miez geht es sehr gut. Ein bisschen erholt und ein bisschen gestresst. Aber alles in allem geht es uns einfach nur sehr sehr gut!