Nachdem die ersten zwei Tage bei der Tagesmutter ganz wunderbar verliefen und der Quietschbeu zum Abschied nicht mal weinte, wurden leider die Kinder der Tagesmutter krank und wir mussten eine Woche pausieren. Wer weiß was in dieser Zeit im Kopf des Quietschbeus passiert ist, jedenfalls wollte er die darauffolgende Woche nicht mehr dort bleiben.
Am ersten Tag weinte er, als ich ging und weinte, als ich wieder kam. Sofort stürzte er in meine Arme, umklammerte mich und weinte ganz schlimm. Das nahm mich sehr mit und ich zweifelte natürlich direkt ausschweifend an meiner Entscheidung. Am Nachmittag sprach ich sehr lang und ruhig mit ihm darüber, dass die Mama arbeiten geht und er dann bei der Tagesmutter mit Q. spielen darf. Ich versicherte ihm, dass ich ihn immer wieder abholen würde und ich mich den ganzen Vormittag sehr auf ihn (und natürlich das Löwenmäulchen) freuen würde. Auch sagte ich ihm, dass er ruhig traurig sein und weinen dürfte, soviel er wollte. Manchmal geht es einem danach nämlich besser.
Am folgenden Tag weinte er bereits, als wir ins Auto stiegen, saß dann beim Frühstück nur da, starrte mich an und aß keinen Bissen. Als er nach einer Weile auftaute und fragte „Mama? Arbeiten?“ bejahte ich, stand auf und gab ihm einen Kuss. Sofort begann er wieder zu weinen, also nahm ich ihn aus dem Hochstuhl, gab ihm seine Boo und sein Schmusekissen und sagte, dass ich nun arbeiten fahren würde und ihn gleich wieder abholen würde. Wie besprochen. Und er sollte so lange weinen, wie er möchte und wenn es dann gut ist, dann kann er mit dem Q. spielen.
Die Tagesmutter sagte mir später, dass er nur kurz geweint habe, dann seine Boo und sein Schmoosi weggeräumt hätte und gespielt hätte.
Heute Morgen im Auto habe ich ihm dann gesagt, dass wenn er traurig sein würde, er seine Boo und das Schmoosi nehmen und ganz fest drücken sollte. Dann ginge das schnell wieder weg. Und so aß er heute bereits wieder mit viel Hunger und kasperte am Tisch mit Q. herum. Als ich dann gehen wollte kamen ihm erneut die Tränen. Ich reichte ihm, wie verabredet, seine Boo und das Schmoosi, drückte ihn feste, gab ihm einen Kuss und sagte ihm, dass ich ihn sehr lieb habe und bald wiederkäme.
Ich hörte ihn bereits wieder normal sprechen, als ich am ersten Treppenabsatz war.
Ich weiß noch, dass ich erst kürzlich ein Gespräch darüber führte, was Kinder in diesem Alter verstehen können und was nicht. Wir kamen auf das Thema über die Frage, ob man von einer dreijährigen erwarten kann, dass sie höflich um etwas bittet, statt kreischend und stampfend einfach nur zu fordern. Meiner Meinung nach kann man das, ja.
Ich bin der Meinung, dass man den Kleinen viel mehr zutrauen sollte, als man von Haus aus vielleicht tut. Mit den richtigen Worten kann man auch einem zweijährigen Zusammenhänge in seiner kleinen Welt schildern und erklären. Er weiß, dass man weint, wenn einem etwas sehr weh tut. Und er weiß inzwischen auch, dass Vermissen und Angst haben wehtun. Nicht am Bein oder der Hand, sondern im Bauch und in der Brust. Das sagt er mir auch.
Als wir im Zoo waren und er vor den Papageien so furchtbar Angst hatte, da rief er auch „Aua!“ Als wir uns gestern noch mal über die Papageien unterhielten sagte er dann „[Quietschbeu] weint. Papain laut keischt. [Quietschbeu] aua Bust.“ (Ich habe geweint, weil die Papageien so laut gekreischt haben. das hat mir in der Brust weh getan.) Dabei hat er sich auf die Brust gezeigt. Ich hab ihm dann erklärt, dass das Aua in der Brust Angst heißt. Das hat er natürlich noch nicht sofort umsetzten können, aber wenn ich nun von „Angst“ spreche, weiß er in Etwa, was damit gemeint ist.
Auf dieselbe Art und Weise habe ich ihm auch mal Liebe erklärt. Wenn man sehr glücklich ist, wenn man mit jemandem zusammen ist und traurig, wenn er weggeht, dann hat man diesen Menschen lieb. Und wenn es im Bauch kribbelt und man dolle Lachen muss, wenn man zusammen ist, sich drückt und küsst, dann ist das Liebe. „Mama. Liep.“, war seine Antwort. ?