„Ich hab geweint, im Bett.“

Der Quietschbeu träumt derzeit viel. Oft quasselt und lacht er im Schlaf leise, kichert oder lächelt einfach nur. Doch leider hat er auch Träume der anderen, beängstigenden Art. Heute Nacht schreckte er insgesamt drei Mal auf, schrie wie im Spieß und saß kerzengerade im Bett. Ich sprang jedes Mal auf, rannte zu ihm und nahm ihn auf den Arm (was angesichts seines Gewichts und meines Bauchs echt nicht mehr so einfach ist).

Er lässt sich schnell beruhigen, wenn er meine Stimme hört. Ich sage ihm dann, dass ich da bin und dass er nur einen bösen Traum hatte. Nach zwei Minuten darf ich meist schon wieder in mein Bett zurück gehen.

Eine Weile dachte ich, dass könnte eine abgeschwächte Form von Nachtschreck sein, bei dem er ja minutenlang wie Besinnungslos schrie und um sich schlug. Aber heute Morgen sprach er mich direkt auf die Nacht und seine Träume an, wohingegen sich die Kinder bei Nachtschreck ja nicht an das nächtliche Erlebnis erinnern können.

„Ich hab geweint, im Bett.“
„Ja, Schatz, Du hast was Schlimmes geträumt, hm?“
„Ja, aber Mama kommt. Alles wieder gut.“
„Genau, Mama passt ja immer auf Dich auf!“

Er nickte, auch wenn ich mir unsicher bin, ob er mit der Begrifflichkeit „Traum“ wirklich etwas anfangen kann. Ich habe ihm mal erklärt, dass ein Traum wie ein Bilderbuch ist, dass man nur sieht, wenn man die Augen zu hat und schläft. Es gibt schöne Bilderbücher und welche, die sind nicht schön und gruselig. Leider kann man sich nicht aussuchen, welche Bücher man sich im Schlaf angucken kann.

Leider kann er mir noch nicht wiedergeben, was er geträumt hat. Es würde mich schon interessieren, was ihn so verängstigt, dass er sich so fürchterlich aufregt und schreien muss. Aber da muss ich mich wohl noch eine Weil gedulden. Heute morgen war er jedenfalls wieder guter Dinge und freute sich auf den Besuch des Nikolaus, der heute im Kindergarten ansteht.

Vom ZUtrauen

Nachdem die ersten zwei Tage bei der Tagesmutter ganz wunderbar verliefen und der Quietschbeu zum Abschied nicht mal weinte, wurden leider die Kinder der Tagesmutter krank und wir mussten eine Woche pausieren. Wer weiß was in dieser Zeit im Kopf des Quietschbeus passiert ist, jedenfalls wollte er die darauffolgende Woche nicht mehr dort bleiben.

Am ersten Tag weinte er, als ich ging und weinte, als ich wieder kam. Sofort stürzte er in meine Arme, umklammerte mich und weinte ganz schlimm. Das nahm mich sehr mit und ich zweifelte natürlich direkt ausschweifend an meiner Entscheidung. Am Nachmittag sprach ich sehr lang und ruhig mit ihm darüber, dass die Mama arbeiten geht und er dann bei der Tagesmutter mit Q. spielen darf. Ich versicherte ihm, dass ich ihn immer wieder abholen würde und ich mich den ganzen Vormittag sehr auf ihn (und natürlich das Löwenmäulchen) freuen würde. Auch sagte ich ihm, dass er ruhig traurig sein und weinen dürfte, soviel er wollte. Manchmal geht es einem danach nämlich besser.

Am folgenden Tag weinte er bereits, als wir ins Auto stiegen, saß dann beim Frühstück nur da, starrte mich an und aß keinen Bissen. Als er nach einer Weile auftaute und fragte „Mama? Arbeiten?“ bejahte ich, stand auf und gab ihm einen Kuss. Sofort begann er wieder zu weinen, also nahm ich ihn aus dem Hochstuhl, gab ihm seine Boo und sein Schmusekissen und sagte, dass ich nun arbeiten fahren würde und ihn gleich wieder abholen würde. Wie besprochen. Und er sollte so lange weinen, wie er möchte und wenn es dann gut ist, dann kann er mit dem Q. spielen.

Die Tagesmutter sagte mir später, dass er nur kurz geweint habe, dann seine Boo und sein Schmoosi weggeräumt hätte und gespielt hätte.

Heute Morgen im Auto habe ich ihm dann gesagt, dass wenn er traurig sein würde, er seine Boo und das Schmoosi nehmen und ganz fest drücken sollte. Dann ginge das schnell wieder weg. Und so aß er heute bereits wieder mit viel Hunger und kasperte am Tisch mit Q. herum. Als ich dann gehen wollte kamen ihm erneut die Tränen. Ich reichte ihm, wie verabredet, seine Boo und das Schmoosi, drückte ihn feste, gab ihm einen Kuss und sagte ihm, dass ich ihn sehr lieb habe und bald wiederkäme.

Ich hörte ihn bereits wieder normal sprechen, als ich am ersten Treppenabsatz war.

Ich weiß noch, dass ich erst kürzlich ein Gespräch darüber führte, was Kinder in diesem Alter verstehen können und was nicht. Wir kamen auf das Thema über die Frage, ob man von einer dreijährigen erwarten kann, dass sie höflich um etwas bittet, statt kreischend und stampfend einfach nur zu fordern. Meiner Meinung nach kann man das, ja.

Ich bin der Meinung, dass man den Kleinen viel mehr zutrauen sollte, als man von Haus aus vielleicht tut. Mit den richtigen Worten kann man auch einem zweijährigen Zusammenhänge in seiner kleinen Welt schildern und erklären. Er weiß, dass man weint, wenn einem etwas sehr weh tut. Und er weiß inzwischen auch, dass Vermissen und Angst haben wehtun. Nicht am Bein oder der Hand, sondern im Bauch und in der Brust. Das sagt er mir auch.

Als wir im Zoo waren und er vor den Papageien so furchtbar Angst hatte, da rief er auch „Aua!“ Als wir uns gestern noch mal über die Papageien unterhielten sagte er dann „[Quietschbeu] weint. Papain laut keischt. [Quietschbeu] aua Bust.“ (Ich habe geweint, weil die Papageien so laut gekreischt haben. das hat mir in der Brust weh getan.) Dabei hat er sich auf die Brust gezeigt. Ich hab ihm dann erklärt, dass das Aua in der Brust Angst heißt. Das hat er natürlich noch nicht sofort umsetzten können, aber wenn ich nun von „Angst“ spreche, weiß er in Etwa, was damit gemeint ist.

Auf dieselbe Art und Weise habe ich ihm auch mal Liebe erklärt. Wenn man sehr glücklich ist, wenn man mit jemandem zusammen ist und traurig, wenn er weggeht, dann hat man diesen Menschen lieb. Und wenn es im Bauch kribbelt und man dolle Lachen muss, wenn man zusammen ist, sich drückt und küsst, dann ist das Liebe. „Mama. Liep.“, war seine Antwort. ?

 

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Die letzten Wochen haben in mir einen Zwiespalt gesäht, den ich so nicht erwartet hätte. Und zwar betrifft es meinen Wunsch nach einem dritten Kind in Kombination mit meiner Angst vor einer weiteren Schwangerschaft. Ich habe bereits mehr als einmal geschrieben, dass ich nicht gerne schwanger war/bin. In erster Linie hat mein Körper immer sehr darunter gelitten. Ich bin auseinander gegangen, wie ein Hefekloß, hatte Ischias- und Kreuzbeinbeschwerden vom Feinsten, gepaart mit Hormon- und Stimmungsschwankungen, dass mich kaum jemand länger ertragen konnte. Ach, und meine Zähne sind auch nicht die Besten.

Dass ich den Quietschbeu in der letzten Schwangerschaft über eine Woche zu meiner Schwester geben musste, belastet mich im Nachhinein immer noch enorm. Mehr, als ich es mit bisher eingestehen wollte. Ich habe daher ernsthaft Angst, dass ich während einer erneuten Schwangerschaft meinen zwei Kindern nicht ausreichend gerecht werden kann. Was, wenn ich liegen muss (warum auch immer), oder erneut so starke Ischias-Probleme bekomme, dass ich das Löwenmäulchen nicht mehr tragen kann? Zwei Kinder bringt man deutlich schwieriger unter, als eins. Davon man abgesehen, dass ich sie gar nicht hergeben will.

Auf der anderen Seite ist da diese alberne Vorfreude auf #3. Konnte ich mich beim Quietschbeu und beim Löwenmäulchen nur sehr schwer im Vorfeld emotional auf sie einlassen, weil da so viel Angst vor meinem eigenen Versagen war, so habe ich jetzt die Sicherheit, dass meine Liebe für all meine Kinder ausreichend ist und mit jedem Kind wächst, statt aufgeteilt zu werden.  Also ist da diesmal Vorfreude und mit dieser Vorfreude auch Ungeduld. Würde es wohl wieder ein Junge oder doch ein Mädchen? Wem sähe #3 ähnlicher, wo der Quietschbeu doch seinem Vater so ähnelt und das Löwenmäulchen eindeutig eher mir.  Wie käme das Löwenmäulchen mit der Rolle des Sandwichkindes zurecht und wie würde der Quietschbeu mit einem weiteren Geschwisterchen zurechtkommen, jetzt, wo er genug Wahrnehmung hat, um zu verstehen, was vor sich geht?

Es ist ein emotionales Hin und Her, im Moment. So oder so stille ich ja nach wie vor voll und die Wahrscheinlichkeit einer erneuten raschen Schwangerschaft ist gering. Ich wünschte, ich hätte aktuell einen klareren Blick auf die Dinge. Aber sowohl Vernunft wie auch Bauch und Herz sind derzeit ein wenig trunken. Verweise ich solange halt nach oben.

Von Schmerzen

Nach der Geburt des Quietschbeus war die Erinnerung an den Geburtsschmerz schnell verblasst. Ich wusste zwar, dass es wehgetan hatte, auch dass es sehr wehgetan hatte, aber wie schmerzhaft die Geburt wirklich war, das war irgendwie ratzfatz verschwunden.

Folglich hatte ich vor der Geburt des Löwenmäulchens auch keine Angst. Ich wusste ja, dass es wehtat und der Schmerz dennoch verschwinden würde. Sogar aus meiner Erinnerung.

Doch irgendwie ist das diesmal anders. Ich erinnere mich sehr lebhaft an diesen Schmerz. Die erste Presswehe, die mich so überrumpelte und bei der ich ernsthaft dachte, ich müsse sterben.

Vor ein paar Abenden unterhielt ich mich mit dem Miezmann darüber und sagte ihm auch, dass die Geburt irgendwie tiefer in mir stecken würde, als die Erste. Und das, obwohl die erste Geburt wesentlich anstrengender, kräftezehrender und langwieriger war.

Wirklich geschockt war ich dann aber davon, was der Miezmann dazu sagte. In dem Moment, in dem diese erste Presswehe mich erfasst hatte, schrie ich. Ich schrie um mein Leben. Und der Miezmann sagt, dass er in diesem Moment gedacht hat, er würde den Kreißsaal ohne mich verlassen. Ernsthaft.

Irgendwie beängstigt mich das. Irgendwie hört sich das ganz unfassbar schlimm an. Irgendwie habe ich nicht geglaubt, dass der Schrei auch nur ansatzweise dass vermittelt hat, was ich empfand. Hat er dann aber wohl doch sehr deutlich.

Ob die Erinnerung doch noch verblasst? Bis zur nächsten Schwangerschaft?Flattr this

Nachtschreck (kein Monster unterm Bett)

Vor einiger Zeit machte ich des Nachts die unliebsame Bekanntschaft mit dem sogenannten Nachtschreck. Dabei handelt es sich nicht um ein Monster, das im Kleiderschrank oder unter dem Bett sitzt, sondern um eine Schlafstörung bei Kleinkindern.

Die Symptome sind bei Wikipedia gut zusammen gefasst (die Hervorhebungen sind von mir):

Während der ersten Non-REM-Schlafphase (typischerweise 15 Minuten bis eine Stunde nach dem Einschlafen) schreckt das Kind mit einem Schrei aus dem Tiefschlaf und ist vegetativ zunächst so aktiviert, dass es für bis zu fünfzehn Minuten nicht ansprechbar sein kann. Das Kind verspürt in dieser Zeit eine große Angst, welche man am Vegetativum messen kann. Als Zeichen dieser vegetativen Erregung kommen kalter Schweiß, schneller Puls und beschleunigte Atmung vor. Das Kind erkennt seine Eltern nicht und ist nur sehr schwer erweckbar. Am Ende des Anfalls erwacht es und schläft meist wieder ruhig ein. Meist kann es sich daraufhin nicht an den Vorfall erinnern.

Wenn man das liest kann man sicher erahnen, wie schlimm so ein Erlebnis für die Eltern ist, wenn man vorher noch nie etwas von Nachtschreck gehört oder gelesen hat. Der Quietschbeu, völlig außer sich, in Panik, schlägt um sich und schreit so hysterisch, als ginge es um sein Leben. Natürlich habe ich versuch ihn zu wecken, ihn zu trösten, zu halten. Ich bekam einige fiese Schläge ab, wurde gekratzt und hatte große Mühe mein Kind überhaupt zu halten und nicht fallen zu lassen.

Später erfuhr ich dann beim Kinderarzt, was genau es mit dem Nachtschreck auf sich hat und dass man alles tun soll, nur das Kind bitte nicht wecken. Meist sind die Kinder dann nämlich noch verwirrter, ängstlicher und noch schlechter wieder zum Schlafen zu bewegen. Wie oben geschrieben erinnert sich das Kind an einen nächtlichen Nachtschreck nicht, wenn man diesen einfach vorübergehen lässt.

Ich habe mir daher angewöhnt den Quietschbeu daher einfach zu streicheln und neben ihm zu sein. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass das auf den Arm nehmen den Schreck nur verstärkt und der Quietschbeu dann versucht sich hysterisch und mit aller Gewalt aus der Umarmung bzw. dem Griff zu lösen.

Diese Anfälle hatte der Quietschbeu bisher vier oder fünfmal. Immer kurz bevor er eine neue Fähigkeit erwarb. Der Kinderarzt geht daher von einer Überreizung des Nebensystems während des Schlafens aus. Kinder lernen ja bekanntlich im Schlaf am schnellsten und besten. Da der Miezmann als Kleinkind stark Geschlafwandelt ist, schließt unser Kinderarzt aber auch eine genetische Ursache beim Quietschbeu nicht aus.

Wenn man weiß, was Nachtschreck ist, wie man damit umgeht und dass dies nichts Schlimmes bedeutet, dann kann man recht gut damit umgehen. Auch während des Anfalls, wenn man seinem Kind in seiner Verzweiflung nicht helfen, sondern nur beistehen kann.

Wie ich heute darauf komme? Gestern via Twitter erfahren, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder während des Nachtschrecks filmen und das dann bei YouTube einstellen. Mit denen würde ich gerne mal weniger zärtlichen Körperkontakt pflegen … wenn Sie verstehen.

Außerdem möchte ich mit diesem Beitrag einfach informieren, dass es dieses Phänomen Nachtschreck gibt, damit niemand von Ihnen diese panische Angst empfinden muss, die ich empfand, als mein Kind das erste Mal einen Nachtschreckanfall erlitt und ich völlig unwissend und hilflos war.Flattr this