Alltagsdingsi #03: Auf in den Tag

Gehen wir von einem normalen Wochentag aus, so ist der Ablauf unseres Morgens eigentlich jeden Tag gleich. Gut, Abweichungen gibt es natürlich bei der Laune jedes einzelnen Beteiligten, aber im Grunde schlagen da dann doch immer die jeweiligen Charaktere durch.

Ich stehe zwischen 5:45 Uhr und 6 Uhr auf, trödel fünf Minuten auf der Toilette rum, die ich zum Lesen von Nachrichten, E-Mails und dem Wetterbericht nutze und steige dann in die Dusche. Anschließendes Zähneputzen und Haare föhnen ist obligatorisch. Dann ziehe ich mich an, wecke den Mann (der irgendwas unverständlich rum brummel, knurrt und sich wieder umdreht) und kann ziemlich pünktlich um 6:30 Uhr das Schlafzimmer der Miezbeus betreten.

In 8 von 10 Fällen bemerken sie mich gar nicht. Ich kann noch in Ruhe die Anziehsachen für den heutigen Tag aus dem Schrank nehmen und zusammen suchen. Dann wecke ich grundsätzlich zuerst das Löwenmäulchen, weil das einfach schon am frühen Morgen ein Sonnenschein ist. Da wird ein bisschen hinterm Ohr gekrabbelt, der Bauch gerieben und der Popo getätschelt, bis es sich in alle Richtungen biegt, streckt, laut gähnt und dann wie ein Stehaufmännchen im Bett sitzt. Dann muss erst mal fünf Minuten gekuschelt werden. Meist beginnt das Löwenmäulchen schon vorher mit seiner Neckerei, leckt mir am Ohr oder pustet mir ins Gesicht. Der Kerl kann leider so gut wie gar nicht ernst sein, wobei das leider Augenzwinkernd gemeint ist.

Dann klettert er ins Bett des großen Bruders, den er „Dada!“ nennt und streichelt ihn über die Haare und das Gesicht. „Eiii, Dada! Eiiii!“ Der Quietschbeu ist leider – und das ist nicht Augenzwinkernd gemeint – ein ziemlicher Morgenmuffel. Meist brummt und knurrt er irgendwas und dreht sich wieder rum (kommt Ihnen jetzt sicher bekannt vor, hm?). Ich krabbel ihm ein bisschen den Rücken, frage, ob er gut geschlafen hat und was Schönes geträumt … eine Antwort erhalte ich eh meist nicht. Wir sind ja morgenmuffelig. Ich gebe ihm einen dicken feuchten Schmatzer und erkläre, dass ich jetzt das Löwenmäulchen fertig mache und er dann dran ist. Brummen. Knurren.

Das Löwenmäulchen putzt sich 3 Minuten lang selbstständig die Zähne und beginnt dann wütend zu schimpfen und zu heulen, wenn es ans Nachputzen geht. Noch schlimmer wird es nur, wenn ich sage: „Fertig!“ Am liebsten würde das Löwenmäulchen nämlich den ganzen Tag nur Zähne putzen. Angezogen wird der kleine Herr Löwenmaul – der inzwischen mit zwei zugedrückten Augen in Größe 86 passt – auf der Wickelkommode. Das ist für mich einfach im Moment am angenehmsten. Zum Schluss noch Hausschuhe an die Füße und schups verschwindet er im Spielzimmer.

Der Quietschbeu-gut-Zureden-10-Kampf beginnt. Zähneputzen ist den einen Morgen mal super, den anderen ganz schrecklich doof. Anziehen ist den einen Morgen mal total toll, den anderen voll furchtbar. Mal muss ich ihn komplett anziehen, mal darf ich ihm nicht mal die Hose richtig herum hinhalten. Demzufolge dauert das Anziehen des Quietschbeus zwischen 5 und 15 Minuten. Heute waren es 10 und ein Kompromiss von „Ich zieh Dir die Strumpfhose an, Du dann die Jeans drüber.“

Gegen 7 Uhr sind wir dann alle fertig und gehen runter. Der Quietschbeu muss Grundsätzlich noch sein Schmusekissen, den Nucki und die Boo mitnehmen, um auf dem Sofa weiter zu kuscheln.

Die Miezbeus gucken Kikaninchen, während ich Ihre Frühstücksdosen zubereite. Ich habe überlegt, ob ich hier etwas ausführlicher dazu schreiben sollte, warum und wieso ich meine Kinder morgens Fernsehen gucken lassen. Aber wissen Sie was? Das liest sich dann wieder wie Rechtfertigung und Entschuldigung und da habe ich gerade gar keine Lust zu. Nur so viel: früher hatten wir stressige und hektische Morgen, an denen die Kinder die  Brotdosen schon während derer Zubereitung halb leer futterten, rummeckerten, gelangweilt alle Schubladen aufrissen und ausräumten, den Flur verwüsteten und letztendlich meine Nerven noch vor Verlassen des Hauses blank lagen. Jetzt haben wir Frieden und Freude – nur keinen Eierkuchen.

Nach der Zubereitung der Brotdosen werden diese im jeweiligen Rucksack verstaut und ich nutze die Ruhe, um mich noch schnell zu schminken. Dann werden gemeinschaftlich Schuhe, Jacken, Schals und Mützen angezogen. Mal mit meiner Hilfe, mal völlig selbstständig. Manchmal auch mit der Unterstützung des Papas – der irgendwie so nebenher läuft und dann eben zur Stelle ist (oder nicht).

Wir verlassen das Haus im Entenmarsch zwischen 7: 15 Uhr und 7:30 Uhr. An einem Dienstag auch schon um 7 Uhr, weil dienstags das Frühstück vom Kindergarten zubereitet wird und ich mir die Arbeit sparen kann.

Wenn man das so liest, nein, falsch, wenn ich das so lese, dann finde ich, dass meine Morgen früher auch mal ruhiger und entspannter waren. Und vor allem hat früher auch noch ein Kaffee vorm Verlassen des Hauses hinein gepasst. Da ich aber ausreichend und ein bisschen flexibel Zeit zum Abliefern der Jungs im Kindergarten haben will (nichts find ich schlimmer, als dieses hektische rein bringen, Klamotten vom Leib reißen, abgeben, wieder raus rennen), fällt der nun mehr flach.

Und das nächste Mal erzähle ich Ihnen, von unserem Alltagsdingsi – Ankommen und Abholen im/vom Kindergarten.

[ Alltagsdingsi? Alltagsdingsi! ]

Hallo Maimiez,

jetzt bist Du schon 15 Wochen und ein bisschen bei mir und irgendwie bist Du dennoch nicht so richtig angekommen. Unser Alltag ist voll, hektisch und schnell. Hast Du Dich am Anfang mit aller Macht sichtbar gemacht, so habe ich durch Stress und auch Krankheit inzwischen wieder so gut abgenommen, dass der Bauch wieder kleiner erscheint.

Ich bin sehr anfällig im Moment. Körperlich, wie seelisch. Jeden Mini-Infekt nehme ich mit, brüte daraus Großes aus und bekomme so auch mal als Erwachsene eine astreine Hand-Mund-Fuß-Erkrankung. Zum Glück sagte meine Ärztin, dass Dir das völlig egal sei und Dich das auch gar nicht belasten würde. Gut!

Du bist also irgendwie da, hier, bei mir. Die ganze Zeit. Ein oder zweimal dachte ich, Du würdest jetzt klopfen, um auf Dich aufmerksam zu machen und mich daran erinnern, dass Du da bist. Doch wenn ich dann inne halte, lausche und spüre, dann ist alles still.

Die Leute um uns herum meinen, dass Du ein Mädchen wirst, weil es mir in dieser Schwangerschaft schlechter geht, als in den anderen Beiden. Ich finde das albern. Wenn Du wirklich ein Mädchen wirst werden sie alle sagen: „Siehst Du, hab ich doch gleich gesagt.“ Ich weiß aber auch ganz genau, dass mir Deine Brüder definitiv keine Schönheit gaben, während der Schwangerschaften. Und müssen ungeborene Jungs die werdende Mutter nicht wunderschön erstrahlen lassen?

Tatsächlich fühle ich mich in meiner Haut derzeit sehr wohl, obwohl der Hintern wieder proportional zum Bauch wächst. Ich wirke sicherlich den einen oder anderen Tag müde, aber das liegt in erster Linie an Deinen wilden Brüdern und ihrem Entdeckungstrieb. Im Moment sind wir in einer Phase, in der sie sich das erste Mal bewusst gegeneinander behaupten wollen/können/müssen. Sie „streiten“ um Spielzeug, ums Essen, ums „auf Mamas/Papas Schoss sitzen wollen“. Das ist derweil sehr anstrengend, aber auch sehr niedlich. Besonders wenn sie dann abends zusammen auf dem Sofa liegen und das Sandmännchen gucken. Oder sich nach morgens im Kindergarten mit heißen Küssen von einander verabschieden und sich auch ebenso elanvoll am Mittag wieder begrüßen. Du wirst sie beide lieben, da bin ich mir sicher.

Liebes Maimiez, es tut mir wirklich leid, dass ich Dir derzeit so wenig Aufmerksamkeit schenke; schenken kann. Ich denke jeden Tag an Dich und kann es schon heute kaum erwarten, Dich in den Armen zu halten.

 

Miez’sches Alltags-Chaos

Seit Montag war ich mit dem Löwenmäulchen morgens zu Hause. Seit gestern ist der Quietschbeu ebenfalls daheim. Das war eine Entscheidung zwischen dem Mann und mir. Wir wollten einfach nicht die Schuldigen sein, wenn der Infekt tatsächlich weitere Kreise im Kindergarten zieht. Die Entscheidung kam keinen Tag zu spät, denn heute – *tada* – hat der Quietschbeu ebenfalls offensichtliche Hand-Mund-Fuß-Symptome. Ich hoffe inständig, dass es ausgereicht hat, dass der Quietschbeu seit nunmehr Dienstag zuhause geblieben ist.

Mich treibt immer noch um, dass sowohl Eltern wie auch Erzieher so furchtbar unaufgeklärt sind. Sollten sich weitere Kinder angesteckt haben, so kann man davon ausgehen, dass viele Eltern unwissend (andere sicherlich auch wissend, aber das ist ein anderes Thema) ihre Kinder dennoch in den Kindergarten bringen werden. So wie im Fall der Wölkchengruppenfreundin vom Löwenmäulchen, wo die Mutter einfach dachte, es sein eine Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Dennoch nervt das Thema inzwischen natürlich. Uns und vermutlich auch die werte Leserschaft.

Darum mal ein kleiner Exkurs in den derzeitigen miez’schen Familienalltag. Die Jungs schlafen fairerweise morgens bis 7 Uhr, wo wir ja normalerweise schon um 6 Uhr aufstehen. Nach dem Anziehen dürfen die Jungs die Sendung mit dem Elefanten gucken, während ich meinen ersten Kaffee schlürfe und das Frühstück zubereite. Um Anschluss ans Frühstück wird hier gemalt, geschnitten, gebastelt. Der Quietschbeu ist momentan in einer absoluten Mal-Bastel-Schneide-Phase und das Löwenmäulchen in einer sehr ausgeprägten Nachahmungsphase. Folglich sitzen beide bis zu eineinhalb Stunden konzentriert am Tisch und  tun Dinge mit Buntstiften, Scheren und Papier.

Derzeit komme ich auch wieder in den puren Trotzgenuss des großen Sohnes. Einfach mal so „Nein!“ brüllen und „Will nicht!“ und damit eine ganze Mahlzeit sprengen, oder ein an sich schönes Bilderbuchbetrachten. Man fragt sich immer wieder, was diese Ausbrüche eigentlich auslöst und bekommt doch niemals eine Antwort. Bei uns wird daher inzwischen erfolgreich die „Auszeit“ (auf der Truhe im Flur sitzen, bis man nicht mehr bockig ist und sich beruhigt hat) praktiziert. Ich weiß dass es da diverse Ansichten und Meinung zu gibt, aber bei uns funktioniert das gut.

Fakt ist, dass mein Haushalt total auf der Strecke bleibt, weil wir zu Dritt zu Hause überhaupt keine Struktur mehr haben. Ständig braucht einer von beiden meine Aufmerksamkeit, versucht sich auf kreativste Art und Weise ums Leben zu bringen oder baut etwaige durchgeführte Haushalttätigkeiten wieder auf unerledigt zurück (z.B. einen gefüllten Korb mit gefalteter Wäsche).

Ich trage in diesem Moment immer noch mein Nachthemd und habe gerade Mal eine Maschine Wäsche angeschmissen. Ich habe gerade Mal den Frühstückstisch erfolgreich abgeräumt, was man diesem aber bereits wieder nicht mehr ansieht.

Aktuell demontieren die Jungs den Staubsauger (oh, gesaugt hatte ich schon!) und ich nehme eine Kaffeeauszeit im Stehen um Ihnen das hier zu berichten. Und der Tag heute nimmt noch sehr viel mehr Geschwindigkeit auf. Gna!

12 von 12 im Oktober

Mit der Kamera meines Smartphones aufgenommen, daher stellenweise qualitativ unterirdisch.

Statt Kaffee gab es eine heiße Schokolade zum Frühstück. Hier schon leer.

Die Frau vom Chef hat Nussecken gemacht. Moah. Ich werde platzen!

Zum Mittag lassen der Kollege und ich uns Chinesisch liefern. Es gab Mini-Frühlingsrollen und gebratene Nudeln mit Gemüse.

Feierabend: auf dem Weg zum Auto. Nieselregen und fieser Wind von der Seite.

Sofapause, bevor ich die Jungs abhole. Momentan ganz wichtig, um Energie für den Nachmittag zu sammeln.

Der Quietschbeu hat mit Kindergarten heute den Mittagsschlaf verweigert. Hurra. Daher gabs noch eine Sofapause für den großen Sohn. Hier ist das Lager aber schon wieder verlassen.

Sein Energietank scheint unerschöpflich. Die Mütze trug er übrigens freiwillig im Haus. Den ganzen Tag!

Das Löwenmäulchen mit seinem Lieblingsbuch. Das Schwein kann er perfekt imitieren.

Abendbrot: Restepfanne, gekocht vom Mann. Lecker.

Der fehlende Mittagsschlaf forderte seinen Tribut und so waren die Jungs heute schon vorm Sandmann im Bett.

Nachtisch für Frau Miez!

12 von 12 Bildern bearbeiten, hochladen. Fertig.

[die Anderen]

So ein Geburtstagsmorgen

Das Löwenmäulchen weckte mich heute, an seinem ersten Geburtstag, mit einem beherzten Biss in mein Knie. Laut meines Weckers war es genau 7:10 Uhr und das Löwenmäulchen somit bereits ein Jahr und eine Stunde alt. Überhaupt versucht er mich und den Miezmann schon den ganzen Morgen über irgendwohin zu beißen.

Das gelbe Bobby Car, das ihn im Wohnzimmer erwartete, wurde laut bejohlt. Die Ballons wurden alle begeistert angesabbert und angebissen (bisher ist noch keiner geplatzt!).

Aber, ich will ehrlich sein, außer dass der Quietschbeu mir den ganzen Morgen erklärt, dass er und nicht das Löwenmäulchen Geburtstag hätte und ihm somit der ganze Kuchen alleine zu stünde, ist hier von Geburtstag wenig zu spüren. Das Löwenmäulchen zahnt, der Quietschbeu trotz und das Brot war verschimmelt. Es regnete so stark, dass wir nicht zu Fuß zum Bäcker gehen konnten und geputzt habe ich auch noch nicht.

Der Tag wird sicher noch besser. Und den Bericht zum 1. Geburtstag des Löwenmäulchens reiche ich später nach.

Dennoch und trotzdem: 1 Jahr!!! Wow. Herzlichen Glückwunsch mein geliebtes Baby!