Da ist dieser enorm große Bauch, der mich täglich daran erinnert, dass wir bald zu viert sein werden. Und da sind diese regelmäßigen Arzttermine, die das bestätigen. Nicht, dass ich auf Grund mangelndem Bewegungsdrangs des Herrn Minimiez daran zweifeln würde, aber dass alles okay ist und dass da tatsächlich ein Baby raus kommt und so … dafür bräuchte ich den Arzt in dieser Schwangerschaft nicht. Ich gehe dennoch hin, eben weil ich meine Ärztin wirklich sehr mag. Sie ist so ein kleines bisschen viel verrückt. Wir giggeln und lachen und tratschen und so. Sie lobt meinen schönen Bauch, mein wunderbares Kind, meine entspannte Haltung.
Heute erfuhr ich, dass ich noch viel Fruchtwasser habe. Wieder mehr, als beim letzten Mal, aber nicht zu viel. Darum sei mein Bauch auch so schön prall. Ich habe einen niedrigen, aber gesunden Blutdruck, knappe 3 Kilo in 2 Wochen zugenommen (ich versuche das gerade total beiläufig im Nebensatz zu erwähnen, merken Sies?), einen weichen äußeren Muttermund der 3cm geöffnet ist, aber innen noch geschlossen. Auf dem CTG sind regelmäßige Miniwehen, die ich nicht mal ansatzweise gespürt habe und der Herzschlag des Herrn Minimiez ist bilderbuchmäßig.
Der kleine Herr Minimiez wiegt aktuell um die 2800 Gramm bei einer Länge um die 47cm. Brustkorb und Kopf sind ziemlich genau eine Woche weiter entwickelt, als ich tatsächlich schwanger bin, aber das kenne ich alles schon vom Quietschbeu.
Meine Ärztin fragt noch mal nach dem Kopfumfang des Quietschbeus bei der Entbindung. „37cm“ antworte ich wahrheitsgemäß und sie zieht mit mitfühlendem Gesicht scharf die Luft ein. Aber wissen Sie was? 37cm hört sich viel an. Wenn man das aber vorher nicht weiß ist das gar nicht so viel, bzw. macht man sich da eben keinen Kopf drüber und presst das raus. Geht alles.
Im Wartezimmer spielt der Quietschbeu unterdessen unter den wachsamen Augen des Kaffeedates. Irgendwann kommt eine Mutter mit zwei Jungs (ca. 3 und 4 Jahre alt) dazu, die schon auf den ersten Blick schrecklich unsympathisch wirkt. Ihre Kinder ziehen dem Quietschbeu, der sie freudestrahlend und ganz aufgeregt begrüßt, die Spielzeugkiste weg und bauen Holzklotztürme. Der Quietschbeu ist davon natürlich total fasziniert und begeistert, begibt sich zu den Jungs und wirft den ersten Turm um. Ich entschuldige mich. Das sei eben gerade „sein Spiel“ und er wäre noch zu klein um zu verstehen, dass die Jungs dann traurig sind. Er würde das nicht tun, um sie zu ärgern. Die Mutter nickt und sagt dann, dass ihr Sohn sich aber gleich sicher wehren – also hauen – würde, wenn er das noch mal mache. Ich bin so ein kleines bisschen überrumpelt. Wie reagiert man da am besten? Nehme ich mein Kind auf den Schoß, um es prophylaktisch daran zu hindern, den Holzklotzturm des anderen Kindes umzukippen? Ich kann ihn ja schlecht schimpfen. Das versteht er doch gar nicht. Kann ich andererseits von einem dreijährigen erwarten, dass er das versteht oder von der Mutter, dass sie ihren Jungs wohlmöglich kurz erklärt, dass der Kleine dass nicht mit Absicht tut? Ich reagiere gar nicht. Jedenfalls nicht nach außen.
Es hat mich jedenfalls sehr traurig gemacht zu sehen, wie der Quietschbeu immer und immer wieder versuchte Kontakt zu den größeren Jungs aufzunehmen und diese sich immer nur weg drehten, oder Spielsachen, die er ihnen anreichte und anbot einfach fallenließen und wegwarfen. Sie erinnern sich vielleicht, dass ich lange Sorge hatte, weil er so schrecklich introvertiert war. Heute hätte ich mir glatt gewünscht, dass er immer noch „nur“ beobachten würde. Aber der Quietschbeu machte nicht den Anschein, dass ihn die Ignoranz der größeren Jungs stören würde. Mein Mutterherz hat jedenfalls dennoch sehr laut geweint.
Das war also die 10.Vorsorgeuntersuchung. Noch einmal CTG schreiben und noch ein regulärer Termin und wir sind am ET angelangt. Ab da werde ich dann von meiner Hebamme betreut.
